|
„Sieben Kilo weniger – in zwei Monaten!“ Wie oft haben wir solche stolze Aussagen schon gehört? Unzählbar oft.
Ja, fein, gut gemacht. Und fragen vielleicht nach: „WIE hast du das gemacht?“. Und hören „Fasten mit Früchtetees, nur Eiweiß essen nach dem selbst fett und krank gewordenen Amerikaner Atkins, einheimisch deutsch durch eine Sauerkrautdiät oder Apfeldiät, kohlenhydratreich (High Carb) oder fettreduziert (Low Fat), ...
Ja, fein, freu' dich, denn bald wirst du frustriert sein. Die Waage wird in sechs oder neun Monaten wieder das Ursprungsgewicht anzeigen. Und in 12 Monaten wird sie ein oder zwei oder drei Kilo über diesem Ausgangswert liegen.

Diät ist die planmäßige Reduktion von Lebensmitteln, Inhaltsstoffen oder der Veränderung der relative Anteile. Erhellend bereits: Diäten sind durch einen Start und ein Ende gekennzeichnet. Sie sind eben nicht das, was das Wort 'Diät' angibt, nämlich der gesunde tägliche Lebensstil (vom Lateinischen dies, der Tag). In der Antike ging es um einen dauerhaft gesunden Lebens- und Ernährungsstil, der Jahrzehnte gehalten werden kann. Heute bezeichnen wir das als nachhaltig.
Von Nachhaltigkeit kann bei Diäten nicht gesprochen werden. Denn in der missbräuchlichen, ja gegensätzlichen modernen Verwendung des Wortes Diät wird das verfehlte Denken offensichtlich. Diäten im heutigen Sinn brechen brutal mit dem Lebens- und Ernährungsgewohnheiten. Für eine begrenzte Zeit bekämpft der Wille den Körper und startet ein hartes Match: Kopf gegen Körper. Und der Körper schlägt zurück. In der Zeit nach der Diät.
Jede neue Diät ist eine Kampfansage an den Körper. Und der ist viel klüger und gewitzter als alle Frauen- (und nun auch Männer-)Journale dieser Welt. Die auf bunten Seiten gepriesenen neuesten Diätversprechen im Frühjahr halten nur wenige Wochen. Weil der Körper - wie ein Punchingball in der Boxtrainingshalle – zurückschwingt. Je fester du draufschlägst, umso stärker schnellt er zurück. Wehe, du stehst dann im Wege. Im Management-Jargon gilt das als eine lose-lose-Situation. Beide Seiten verlieren. Kopf und Körper verlieren.
Δ
Die diätierenden Personen leiden in der Folge mehrfach:
- Hereingefallen auf ein illusorisches Versprechen,
- eine große Delle im Selbstgefühl nach dem sicher eintretenden Versagen einige Wochen später und
- zusätzliches Gewicht für den neuen Versuch im nächsten Frühjahr.
- Also neu probieren. Mit dem nahezu sicher eintretenden nächsten Versagen.
Zwischendurch leben Frauen- (und jetzt auch Männer-) Journale davon, viele Seiten mit den jeweils neuesten Diätversprechen zu füllen und Käufer dafür zu finden. Drei Ausgaben später folgt etwas Gemeines: Die Schuld für das Nichtfunktionieren wird mehr oder weniger direkt dem Diätierenden, dem Anwender aufgedrückt.
Diäten funktionieren nicht. Nachuntersuchungen ein oder zwei Jahre später zeigen regelmäßig, dass es nur eine verschwindende Minderheit - so ein oder zwei Prozent – schafft, dauerhaft abzunehmen. Wer ist schuld? Der oder die Abnehmwillige? Hatte wohl zuwenig Disziplin gehabt? Das aber ist eine schnelle Vermutung. Die ganz und gar nicht stimmt.
Δ
Der Glaube, mittels einer Diät abzunehmen, ist in unserer westlichen Kultur tief verankert verbreitet. Genauso wie man sich früher die Erde als Scheibe gedacht hatte. Es ist ja offensichtlich, dass man durch eine Diät abnimmt, wie es offensichtlich ist, dass wir auf einer Scheibe leben. Man braucht nur den runden Horizont und das flache Land dazwischen ansehen. Dieser Glaube ist hartnäckig. Die vielen Gegenbeweise im Freundes- und Bekanntenkreis werden übersehen.
Fazit: Mittels einer Diät dauerhaft abnehmen wollen, funktioniert nicht. Wie aber kann man dann vorgehen, um dauerhaft rank, schlank, gesund und mit sich zufrieden zu werden und bleiben? Die gestartete Blog-Serie widmet sich aktuellen und praktisch umsetzbaren Erkenntnissen für ein nachhaltiges Abnehmen. Ergebnis: dauerhaft schlank bleiben.
Reinhard Neumeier, April 2011
Zum zweiten Teil dieser Serie.
|