Ganzheitliches Counseling in Wien
Auszug aus einer Biografieanalyse (1) Drucken E-Mail

Bei analytischen Schlussfolgerungen lege ich Wert auf Belege - seien sie aus der biografischen Erzählung  (Angabe der entsprechenden Zeilen) oder aus dem Drei-Generationen-Genogramm. Der folgende Auszug stammt aus einer wissenschaftlichen Arbeit. Daher ist der Stil nüchtern. Eine Analyse für Klienten ist natürlich 'farbenfroher'. Die Fotos sind Symbolfotos und beziehen sich inhaltlich nicht auf das vorliegende Geschehen.

 

(...)

x) Positive Einstellung gegenüber dem Vater: die Einstellung zum Vater ist durch seine Großzügigkeit und sein grundsätzliches Wohlwollen positiv geprägt, obwohl er wenig Zeit für die Tochter hat und von ihrem Leben keine Details kennt. Vergleiche die langfristiges Desinteresse anzeigende Frage „in welcher Klasse bist du eigentlich?“ (68)*).
Frau D äußert – mit Ausnahme der eben erwähnten Frage – kein negatives Wort über ihren Vater. Trotz dieser offensichtlichen positiven Einstellung gegenüber ihrem Vater tritt er in dieser Erzählung nur am Anfang als Rahmensetzer durch seinen Beruf und der damit verbundenen gesellschaftlichen Position in Erscheinung.

 

x) Nüchterne Mutter als leitende Figur: Die leitende Figur für das schulische Geschehen bis zur Matura ist die als sehr nüchtern erlebte Mutter. Nach der Matura sieht Frau D ihre Mutter als nicht mehr kompetent an, obwohl interessanterweise deren Vorschlag ‚Filmakademie’ (74) dem später von D geliebten Studium der Theaterwissenschaften sehr nahe kommt.

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x) Traditionelles Rollenverhalten der Eltern: Das Fazit der zwei vorhergehenden Punkte: Beide Elternteile sind stark in den jeweiligen geschlechtsspezifischen traditionellen Rollen verankert. Der Vater als Ernährer, beruflich Engagierter und familiär-zeitlich gesehen wenig Anwesender; die Mutter im Haushalt und als zentrale Bezugsperson der vier Kinder. Die Eltern erwarten von Frau D eine konsequente Ausführung der zugedachten Rolle des Lernens, Strebens, Berufergreifens und Etwas-Werdens (95-96). Sie geben ihr aber inhaltlich weder Rat noch sonstige kognitive Unterstützung. Vor allem die Frage nach dem Was-nun-Tun nach der Matura erzeugt große Unsicherheit (340).

 


x) Mittelschichterziehung von Frau D: Die Erziehung von Frau D ist durch die übliche (327) geschlechtsspezifische Rollenzuweisung geprägt: Mädchen sind schlecht in Physik, Mathematik („Physik und Chemie und diese Prüfungen haben mich abgeschreckt“, 474) und ähnlichen technisch-naturwissenschaftlichen Fächern (330), dafür gut im Musischen und Sprachlichen. Wie es sich für anspruchsvolle Angehörige der Mittelklasse gehört wird frühzeitig ein Musikinstrument erlernt. Dies bringt sowohl Vorteile während des späteren Besuches eines Musisch-pädagogischen Realgymnasiums als auch legt es mit einen Grundstein für die allgemeine anhaltende Neigung zum Befassung mit künstlerischen Themen.

 

 

*) = Zahlen verweisen auf die entsprechenden Zeilennummern der autobiografischen Erzählung

 

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