Ganzheitliches Counseling in Wien Nach Kategorien Ernährung 5-Elemente-Küche: Wie aus Unfug gesundes Verhalten wird

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5-Elemente-Küche: Wie aus Unfug gesundes Verhalten wird Drucken E-Mail

 

Karaweik mystischer Vogel Myanmar

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Eine Muskatnuss schaut aus wie ein Hoden, nicht? Also verstärkt sie die Potenz des Mannes. Ist doch klar!




Und diese Nuss hilft ihm, die gewünschte Frau zu begatten. Wie das gehen soll - dazu ein mittelalterlicher Geheimtipp: Der Mann möge die Muskatnuss als Ganzes schlucken, die Nuss nach dem Magen-Darm-Durchlaufen wieder auffangen, waschen, trocknen, zermahlen und seiner Zielperson ins Essen oder Getränk tun. Schon wird sie ihm zu Willen sein. Weil sie ja das Innere, also das Intime des Mannes schon kennt, nicht wahr?

So einfach und plausibel waren die Gedanken. So einfach und falsch waren die angenommenen Wirkungen. Dies ist nur ein Beispiel uralter iatromagischer Zaubervorstellungen. Iatromagie stellte die Magie des Heilers, des Arztes dar. Es bestand aus dem Wissen über die Welt, aus dem Wissen über die Zusammenhänge von Vorgängen zwischen Himmel und Erde. Aus dem Wissen, wie der Makrokosmos mit dem Mikrokosmos verknüpft ist.



Nämlich ganz einfach - jeder kann es sehen: die Ähnlichkeiten. Ähnliches ist ganz offensichtlich untereinander in Beziehung. Nach den Prinzipien Wie oben, so unten, Wie außen, so innen, Wie im Himmel, so auf Erden. Nach diesen Prinzipien arbeiteten Schamanen, Heiler, Ärzte und Hildegard von Bingen. Sicher die meisten guten Glaubens. Eben Glaubens!

Die genannten Prinzipien fanden Eingang in das europäische 4-Elemente-Ernährung. Dieses System achtete auf die Eigenschaften von Feuer, Wasser, Luft und Erde. Die 4 Elemente Ernährung berücksichtigte seine (vermeintlichen) Wirkungen durch ausgetüffteltes Zuordnen und Anwenden von trocken, feucht, heiß und kalt. Das Gedankengebäude entwickelte sich in der Antike und wurde durch die Araber nach Europa gebracht. Dieses pseudorationale Anwenden von Arzneien und Lebensmitteln verschwand Mitte des 19. Jahrhunderts.



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Veschwand?

Blitz, Kawumm - das Magische wieder in der Ernährung! Ein neues System nimmt uns an die Hand. Es ist die 5-Elemente-Küche, ein uraltes Gedankengebäude aus dem Fernen Osten. Nach dem selben Similis-Prinzipien (Prinzipien der Ähnlichkeit) wird nun in Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser eingeteilt. Mit einem kleinen Unterschied: Es geht weniger um stabile Ur-Elemente, als um "Energie"-Qualitäten, um die Art, wie sich etwas wandelt, wie aus Einem etwas Anderes wird. Alles kosmische Geschehen manifestiert sich in den 5 Energiebewegungen von steigend, schwebend, sinkend, fallend und zerstreuend. Das sind die äußerst einfachen - und darum wohl auch so attraktiven - Überlegungen.



Die jeweilige Energiebewegung kann man aufgrund äußerer Zeichen und Wirkungen erkennen. Zm Beispiel durch die 5 Geschmacksrichtungen süß, scharf, salzig, sauer und bitter. Oder durch ihre "Wärme"-Wirkungen im Körper von heiß, warm, neutral, kühl und kalt. Und schon entstehen riesige Tabellen mit Lebensmitteln und zugeordneten Wirkungen. Zum Beispiel:


  • HOLZ (saurer Geschmack, zieht zusammen und bewahrt die Säfte) = Essig (no na), Zitrone, Weißwein, Petersilie,..
  • FEUER (bitter, trocknet aus und regt Transformationen an) = Wacholderbeere, Thymian, Rosmarin,..
  • ERDE (milder, süßer Geschmack, nährt, entspannt) = Honig (ah ja, erstaunlich), Nüsse, Fleisch, Linsen, Bohnen, Erbsen, Getreide,..
  • METALL (scharf, löst Stagnation; wohl mittels eines Messers ;)) = Pfeffer, Chili, Zwiebel, Knoblauch,...
  • WASSER (salzig, festigt die Knochen, leitet nach unten) = Salz, Fisch, Meeresalgen,...

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Manche Zuordnungen sind sofort plausibel, viele Zuordnungen erscheinen fragwürdig. Es muss nämlich jedes, absolut jedes Lebensmittel einem Element zugeordnet werden. Also bitte merken und nicht durcheinander bringen! Das ist aber erst der simple Anfang. 5-Elemente-Anhänger wollen Ausgewogenheit erreichen. Und zwar immer und sofort. Also soll jedes Element in jeder Speise oder zumindest innerhalb des Menüs (Vor-, Haupt- und Nachspeise) vorkommen.



Doch auch das ist erst ein Anfang. Der menschliche Körper besteht aus Organen und Funktionskreisen (traditionelle chinesische Medizin), die wiederum jeweils den 5 Elementen zuzuordnen sind. Jedes Essen hat daher Auswirkungen auf ganz bestimmte Subsysteme. Auswirkungen, die wiederum auszubalanzieren sind.

Ach ja, Abschnitte des Tag-Nach-Zyklus sind ebenfalls den 5 Elementen zuzuordnen. Und wollen beachtet werden. Und der Ablauf im Jahr ist wiederum ... Familienmitglieder könnten auch zugeordnet werden. Detto Haus und Wohnumgebung, Beruf, Kollegen, Lebenspartner (ein männlicher Lehrling soll sich eine pensionierte Meisterin suchen oder ein zwanzigjähriges Mädchen wird sich einen sechzigjährigen Mann zum Ausgleich der Energiebilanzen und Transformationsrichtungen wählen) ... .... .... ... HILFE!!



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Anhänger der 5-Elemente-Ernährung sind tagsüber - und vielleicht auch nachts in ihren Träumen - damit beschäftigt, zuzuordnen und auszugleichen. Alles sehr anstrengend und aufreibend. Aber nun kommt das überraschende Ergebnis: Diese Diät-Followers ernähren sich vielfältig und ziemlich gesund. Dauernd wird anders zusammengestellt, geordnet ab- oder hinaufgeleitet, gewürzt, gewässert, gesäuert, gesüßt,... Aufgrund dieses aufwändigen Jonglierens aller möglichen Wirkungen, Störungen und Rückwirkungen kochen und essen sie sehr, sehr abwechslungsreich.



Ein Zufallsgenerator, der Nahrungsmitteln und Rezeptbestandteile eben zufällig ausspuckt, führte wohl zum gleichen positive Ergebnis. Ja, wenn - ja, wenn er noch die Magie des Heilens mitliefern könnte! Die uralten magischen Assoziationen, die uns mit der Welt, die den Himmel mit der Erde verbinden. Und an die wir natürlich glauben müssen, damit der Zauber wirkt.



Reinhard Neumeier, Juli 2010



Bild: Mystischer, glücksbringender Vogel Karaweik auf einem Phallussymbol in Myanmar



PS: Ich gestehe, dieses Konzept der 5 Elemente vor dreißig Jahren ebenfalls angewendet und in Vorträgen verbreitet zu haben. Es hatte damals zu kompliziert geklungen, um nicht doch gewisse Plausibilitäten zu haben.



PPS: Stierhoden galten als Viagra des mittelalterlichen Mannes. Das Standardrezept für die Zubereitung enthält Muskatnuss. Nicht, weil es den Geschmack verbessert, sondern weil die Muskatnuss die vermutete Wirkung (es werden ja die Hoden des Stieres, des furchterregendsten und männlichsten gegenwärtiger Säugetiere gegessen) noch weiter steigern soll.

So glaubt man halt und steht seinen Mann... Eben eine magische, manchmal überraschende Wirkung der positiven oder negativen Art.

 
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