|
In Myanmar (Birma)
"Jetzt haben Sie mich, liebe Frau J., auf dem falschen Fuß erwischt. ;)
Meine jetzige Ernährungsphilosophie? Huch, wie einfach Fragen sein können, die man bestenfalls nur bruchstückhaft beantworten kann!
Beide erste Absätze Ihrer Antwort übernehme ich zu hundert Prozent (zB „Spass am gemeinschaftlichen Essen … die Wichtigkeit des Gefühls beim Essen...). Natürlich ist unsere Welt nicht mehr statisch, sondern ändert sich dauernd. Dementsprechend auch die Lebensmittel, die Herstellung, etc. Da ist theoretisches Wissen in Form wissenschaftlicher Beiträge und praktisches Wissen in Form von - bei der Umsetzung helfender - Berater brauchbar.
Δ
Sich vollkommen nur auf das eigene Gefühl zu verlassen, wird mit den Jahrzehnten zu einem Mängelansatz: Jeder macht ja seine Erkenntnisse auf Basis vergangener Erfahrungen; Erfahrungen, die oft über Nacht nur mehr teilweise gelten; selbst wird man ja auch älter; .... Allerdings zu verzweifeln und alles Denken und Fühlen über eine gute Ernährung hinzuschmeissen, ist auch kein langfristig tragbare Ansatz.
Wir alle braucht Rahmen beziehungsweise Gerüste und grobe Hinweise, keine Frage. Nur gilt auch in der Ernährung: "Jedes Regelsystem wird falsch, wenn man es zu 100% anwendet". In diesem Sinn fand ich die schon erwähnten letzten Zeilen Ihrer allerersten Antwort sehr gut. Zum Beispiel „ich ernähre mich nach den Jahreszeiten und freue mich im Sommer auf frische deutsche Tomaten!“.
Δ Δ
Hab ich nun konkrete Hinweise? Hm, wie wär's mit diesen: sich beim Essen und Trinken sowohl tragen lassen als auch aktiv mitzuschwimmen aufgrund seiner
- genetischen Ausstattung und epigenetischer Mechanismen
- der lokalen Tradition der zugehörigen Ethnie (der familiären Tradition - wie sie sie in den Vorgenerationen noch gegeben hatte)
- den eigenen Erfahrungen und Geschmacksempfindungen
- der Art und Zusammensetzung der mit uns in Symbiose lebenden Mikroorganismen, von denen wir noch fast nichts wissen (wir schleppen rund zehn Mal mehr Mikroben mit uns als wir Zellen im Körper haben: auf und in vielen Organen wie Haut, Magen, Dickdarm,....). Es gibt extrem viele unterschiedliche Arten dieser Mikroben mit entsprechend unterschiedlichen Bedürfnissen mit entsprechend unterschiedlichen Ernährungsanforderungen.
- des eigenen Bewegungsprofils und der Umwelt, in der wir leben
- den relativ wenigen Grundempfehlungen aus der wissenschaftlichen Ecke, die schon Jahrzehnte halten ...
Haben wir Vertrauen in uns. Wir sind das Produkt eines vielmillionenjahre dauernden Entstehungsprozesses. Unser Körper und unser Kopf ist daher erfahrungsgesättigter und flexibler als man vermutet. Vertrauen wir auf dieses uraltes Know-how - wir haben einen größeren Reichtum an (geeigneten) Ernährungsphilosophien mitgekriegt, als wir ahnen.
Ich hoffe, nicht allzu sehr ins Allgemeine und Philosophische abgerutscht zu sein.
Einen schönen Tag und herzliche Grüße
Reinhard N."
Dies ist eine spontan geschriebene Antwort zu meiner jetzigen Ernährungspraxis und -philosophie.
Die ursprüngliche Frage wurde am 13. Juli 2010 im Rahmen einer XING-Ernährungsgruppe gestellt.
|