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Auf- und umgraben, säen, bewässern, bewachen, ernten, dreschen, aufbewahren, vor Mäusen schützen … all das heißt Schweiß und Schwielen für einige Monate im Jahr. Klar, dass die sesshaft gewordenen Menschen im Laufe der Zeit ihr Gehirn anstrengten, um das mühselige Leben zu erleichtern: Sie erfanden den Pflug und stellten Grabstock oder Hacke in die Ecke. Hunde, Ziegen, Schafe, Rinder, Hühner und Pferde wurden gezähmt. Aus dem hölzernen Pflug wurde ein eiserner.

Neuerdings lernten die Menschen, eine schwarze, zähflüssige Erdbrühe in Benzin, Diesel und Dünger umzuwandeln. So konnten die Äcker kunstgedüngt und motorisiert gepflügt werden. Die Grüne Revolution mit ihren Hochertragssorten und dem Einsatz von Pestiziden führte zu noch höheren Erträgen. Und was tat man langfristig damit? Die Menschen in den reichen Ländern fütterten die Stalltiere mit Getreide, Mais und Sojabohnen anstatt Gras, Kräuter und Heu. Warum?
Weil sie so nach Jahrtausenden der Ersatznahrung, der unfreiwilligen Getreidenahrung diese Grassamen satt hatten. Sie wollten wieder Saftiges, Fettes oder Süßes essen - ihre Vorzugsnahrung. So wie es wahrscheinlich in den Genen eingegraben war. Wenige Auserwählte hatten es schon immer besser gehabt: Könige und Adelige hatten gejagt oder Tiere mästen lassen und sich so täglich ihren Braten geleistet.
In den letzten hundert Jahren fanden wir Menschen des Industriezeitalters den großen Trick: Einfach die jährlich zu unzählbaren Billiarden anfallenden Körner an Stalltiere verfüttern. Und später die Tiere selbst verspeisen. Nun essen alle wieder wie ihre jagenden und sammelnden Vorfahren: drei Mal am Tag Fleisch: Wurst in der Früh, Hamburger zu Mittag für die Kinder und Steak für die Männer zum Abendessen.
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Nun geht es doch allen gut, nicht? Menschen leben gemäß den Wünschen ihres Körpers und der Biologie ihrer Vorfahren. Ein Happy-End wie es im Märchenbuch steht, nicht? Nein es gibt kein glückliches, sondern ein unglückliches Ende. Irgendetwas ist mit den Menschen des beginnenden 21. Jahrhunderts schief gelaufen: Quer durch alle Staaten, Schichten und Regionen sind viele dick geworden.
Dies trifft alle – sowohl Bewohner industrialisierter Länder als auch Insulaner von Pazifikinseln. Fettleibigkeit wird eine weltweite Epidemie. In Österreich sind sechs von zehn Männern und vier von zehn Frauen zu dick. Mit allen dramatischen Folgen wie Herz- und Kreislauferkrankungen, Diabetes, Krebs und vorzeitigem Tod. Was war geschehen?
Allen Lebewesen ergeht es so: Sie werden zu fett, wenn sie energiereiche Nahrung essen und gleichzeitig - nichts (!) - tun. Egal, ob Schimpansen, Kanarienvögel, Katzen, Hunde oder aufrecht gehende Zweibeiner: Wer längere Zeit energiereiche Nahrung isst und dieses Zuviel an Energie nicht verbraucht, wird schwerer. Wer isst wie unsere Ahnen, sich aber nicht aktiv bewegt, wird zunehmen. Wer täglich das private Auto für Wege und Einkäufe nutzt, sich von den Aufzügen zu Hause und und im Büro in die Höhe tragen lässt, wer nur auf der Couch vorm TV liegt oder Rollsessel mit Armlehne am PC nutzt … er oder sie wird irgendwann Kleidergrößen XXXXL tragen.
Wer einen Rucksack von zwanzig, dreißig oder fünfzig Kilo zusätzlich in Form von Speckrollen mitschleppt, wird behäbig und kurzatmig werden, wird sein Herz dauerhaft überlasten, Kreislauf- oder Leberschäden erleiden. Wir moderne Menschen essen zwar wieder die Vorzugsnahrung unserer Steinzeitvorfahren, haben aber die Aktivitäten des Gehens oder Laufens, die früher hierfür notwendig gewesen waren, eingespart. Und so schnaufen und tappeln wir - in zunehmend kugeliger Form - Jahr für Jahr mühsamer durchs moderne Leben.
Reinhard Neumeier, Februar 2011
Zum ersten Teil dieser Serie: Vorzugsnahrung: Das will ich essen!
Zum vierten und letzten Teil dieser Serie: Die große Pointe - das will ich essen!
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