Ganzheitliches Counseling in Wien Nach Kategorien Ernährung Von Aufständen in unserem Körper - schlank bleiben - dem Affen Zucker geben (3)

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Von Aufständen in unserem Körper - schlank bleiben - dem Affen Zucker geben (3) Drucken E-Mail

 

Was war da nur passiert? Alle inneren Organe waren bis zu 40 Prozent leichter als bei normal genährten Erwachsenen. Alle Organe – mit Ausnahme des Gehirns. Die Gehirnmasse der untersuchten, von Krankheit und Hunger gezeichneten Körper von Verstorbenen wiesen nur minimale Verluste von höchstens zwei Prozent auf. Marie Krieger, eine junge Wissenschaftlerin in Jena, hatte gegen Ende des Ersten Weltkrieges Leichen untersucht.*) Die naive Ansicht, dass uns die Organe gleichberechtigt und unterwürfig dienen, stimmt nicht. Was für ein verblüffendes Ergebnis - und doch geriet es für drei Generationen in Vergessenheit. Müßig zu erwähnen, dass diese innere Überordnung durch die neuen bildgebenden, computergestützten Verfahren wie CT oder MRT vollauf bestätigt wird.

 

Es gibt also eine Hierarchie in unserem Körpers. Das Gehirn scheint an der Spitze zu stehen. Wenn zu wenig Nahrung kommt, setzt sich das Gehirn egoistisch über alle anderen Organe hinweg. Es lässt sich mit Energie und Nährstoffen versorgen, während Knochen, Muskeln, Sehnen und alle anderen Organe darben und schrumpfen. Das Gehirn wird gefüttert, nicht weil die Organe so viel Respekt vor ihm haben, sondern weil es einfach befiehlt. Nerven ordern Energie vom Körper. Sie bedienen sich hierzu des körpereigenen Stress-Systems. Doch Details sollen uns vorerst nicht weiter berühren.

 

Befehlszentrale Gehirn

 

Wir sprechen von universellen Not- und Mangelzeiten wie eben jenen des Ersten Weltkrieges. Wie ist das aber in der gegenwärtigen Situation der Überfülle, der riesigen und randvoll belegten Regale in Supermärkten, der unzähligen Fastfoodstände, der angefüllten Kühlschränke und rappelvollen Tiefkühltruhen zu Hause? Was geschieht in so einer nahrungsparadiesischen Umgebung im Körper, wenn ein Teil des Gehirns das Gegenteil anordnet? Wenn der bewusste Wille zu hungern befiehlt?

 

Nun, das kennen wir! Zuerst purzeln tatsächlich die Kilos. In den ersten Wochen erzählen wir allen, um wieviel Kilogramm die Waage schon weniger anzeigt. Doch irgendwann verstummen wir. Die Diät wurde beendet. Die Diktatur des Willens wird – oft früher als geplant – gebrochen. Wie im arabischen Frühling des Jahres 2011 lösen sich Diktaturen überraschend auf. Manchmal schnell wie in Tunesien und Ägypten, machmal nur nach langen heißen Kämpfen wie in Libyen. Hier wie dort dürfte der Unterschied zwischen innerer erzwungener Notlage und angebotener äußerer Fülle oder Freiheit zu groß geworden sein.

 

Δ

 

Was sich in unserem Körper abspielt: Wird von einem kleinen Teil des Bewusstseins, dem Willen, der Entschluss zur Diät gefasst, heißt das einfach, dass das Gehirn dem übrigen Körper den Krieg ansagt. Und sich dabei selbst völlig raushält! Eine Weile kann das auch gut gehen. Bekannt ist aber, dass etwa der Wille (der minütlich oder stündlich aufrecht zu erhaltende Wille zum Einhalten von Diäten) sowohl psychische Energie als auch unser Arbeitsgedächtnis benötigt. Dieses besitzt aber nur eine erbärmlich kleine Kapazität, so rund 45 bis 50 Bit je Sekunde. Etwa so viel, wie die ersten Taschenrechner in den 1960er Jahren besaßen. Ist dieses Arbeitsgedächtnis von anderen Themen blockiert – kann sich der Wille nicht durchsetzen.

 

Und schon versuchen andere Gehirnbereiche unseres Vor- und Unbewussten die künstlich geschaffene Notsituation zu beenden: Uns eisern Diät Haltende überfällt dann eine heimtückische Heißhungerattacke. In der Folge holen wir uns scheinbar fremdgesteuert Käse, Wurst und Sahnepudding aus dem Kühlschrank. Und sind dann noch immer nicht satt. Also ordern wir mitten in der Nacht beim Pizzaservice oder verputzen die Riesentafeln Schokolade, die eigentlich für die Kinder gekauft und versteckt wurden.

 

Δ

 

Wie dieses Aufbegehren innerhalb unseres Körpers während einer Diät abläuft, wissen wir nicht im Detail. Bereiche des enorm größeren Unbewussten (mit einer Gesamtkapazität von 11,2 Millionen Bit je Sekunde) gewinnen wohl gelegentlich in unserem Gehirn die Oberhand. Der Kommandant 'bewusster Wille' wird - zumindest für eine Weile - abgesetzt. Wir nennen die äußere Folge dann Diätsünden.

 

Nach einer Diät funktionieren einige körperliche Untersysteme anders als vorher. Es haben sich neue Gleichgewichte (besser gesagt: Ungleichgewichte) herausgebildet. Es kann beispielsweise zum Umbau des Stoffwechsels kommen, der nun effizienter (!) funktioniert und mehr Nährstoffe aus dem Essen rausholt und als Fett wegspeichert. Die Zahl auf der Waage wird dementsprechend größer, das Selbstbewusstsein kleiner werden.

 

Was bedeutet das bisher Geschriebene ins Alltagspraktische übersetzt? Im folgenden Beitrag kommen wir zu den zwei wichtigsten Regeln für dauerhaftes Abnehmen: (1) Dem Affen Zucker geben = dem Körper Gutes zu essen geben, (2) Aber nur, wenn er tatsächlich Hunger hat.

 

Reinhard Neumeier, Mai 2011

 

*) Peters A., Das egoistische Gehirn. Warum unser Kopf Diäten sabotiert und gegen den eigenen Körper kämpft. Ullstein 2011, S. 24 f

 

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