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Übertreiben und Ausnutzen: Darin besteht der Kern des Kapitalismus. Aktionäre wollen nicht bloß Gewinn sehen, sondern maximalen Gewinn. Eigentümer von internationalen Unternehmen der Lebensmittelindustrie und des Handels wollen nicht bloß Geld sehen, sondern viel viel Geld.
Du aber hast nur einen Magen, nicht zwei oder fünfhundert Mägen. Du kannst nur wenige Mal am Tag essen, nicht fünfhundert Mal. Das aber wäre gewünscht, ginge es nach den Eigentümern globaler Unternehmen oder Aktionären. Für diese bist du nur ein Esel streck dich, der gefälligst Goldtaler auszustoßen hat. Börsentiger und Finanzhaie wollen 20 % Profit im Jahr ausgeschüttet sehen. Also müssen die Manager alles in ihrer Macht Stehende tun, um dich über den Tisch zu ziehen. Auf dass du isst, obwohl du nicht hungrig bist, auf dass du billiges Zeug isst und zuviel bezahlst, auf dass du kaufst und wegwirfst. 24 Stunden am Tag und 7 Tage die Woche, jahraus und jahrein.
Der ideale Konsument kauft, obwohl er nicht will. Er merkt nicht, dass mieses und billigstes Zeug in glanzvollen Plastikverpackungen steckt. Er merkt nicht, dass er Mogelpackungen in den Einkaufswagen legt. Der Superkonsument merkt nicht, dass er mit einem Klick auf gefällt mir in Facebook ausgefuchsten Marketing-Kampagnen auf den Leim geht.
Die dritte Regel für dauerhaftes und gesundes Gewicht heißt daher:
3. Verteidige dich, denn Lebensmittelindustrie und Handel wollen dich stopfen - wie eine Weihnachtsgans.
Diese dritte heuristische Regel dient zur Unterstützung und Absicherung von Nummer eins (zur Erinnerung: Nur essen, wenn hungrig). Die nun vorgestellte dritte Regel lässt sich auch allgemeiner formulieren: Höre auf dich selbst und nicht auf andere. Vor allem dann höre nicht, wenn sie Geld mit machen wollen.
Wir leben in einer Welt, die dir keine Ruhe lässt. Lebensmittelindustrie und Handel haben üblicherweise nicht im Sinn, dir wohlschmeckende und gesunde Lebensmittel anzubieten. Ihre Ziele sind finanzieller Natur. Natürlich gilt: Weder die Industrie noch der Handel ist böse, weder Kassiere, Filialleiter oder Produktionsleiter sind hinterhältige Menschen – sie sind Menschen wie du und ich. Sie tun ihr Bestes. Das kapitalistische System allerdings nimmt dieses Beste und formt es über einige Umwege zu deinem Schlechtesten. Und so wirst du, werden wir Hampelmännern.
Im Laufe des zwanzigsten Jahrhundert wurde das kapitalistische System zunehmend gebändigt. Die 1960er bis 1980er Jahre waren in Sachen Gleichgewicht zwischen Konsumenten und Produzenten fast paradiesische Jahre. Doch in den letzten dreißig Jahren wurden die Fesseln gelockert, oft sogar abgeschafft. Klagen und anklagen dürfen wir aber nicht. Nehmen wir uns an der eigenen Nase: Viele Jahre haben wir genickt, wenn es geheißen hat, Leistung müsse sich wieder lohnen, und haben die entsprechenden Politiker gewählt. Die jedoch darunter nicht faire und gerechte Entlohnung für echte Leisungen verstanden haben, sondern Geldflüsse auf Konten. In der Folge wurden jene Regeln über Bord geworfen, die für unsere Gesundheit erstellt worden waren. Und so stehen wir heute da: Viele werden fetter – bei den meisten der Bauch, bei einigen wenigen das Bankkonto in Liechtenstein. Diesen Sachverhalt hat uns wie ein – hoffentlich reinigendes – Gewitter die Finanzkrise 2008 vor Augen geführt.

Warum dieser Ausflug in die Politik? Um die Wichtigkeit und den Hintergrund dieser dritten Regel zu verstehen. Um zu lernen, dass der Konsument ununterbrochen auf der Hut sein muss. Die Macht hat sich zum Nachteil der Konsumenten verschoben. Nicht nur du allein bist schuld an deinem zunehmenden Gewicht, nein die gesellschaftlichen Ideen eines ICH-ICH-ICH, eines demütigen Kniens vor den bereits Mächtigen in Form eines unmündigen Konsumenten vor den Supermarktregalen behindern taillenfreundliches Essen. Wisse das und wehr dich:
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Schalte den Ton am TV-Gerät aus, wenn Werbung läuft, und die suggestive Macht der Fernsehwerbung wird geringer sein. Es geht einfacher als man glaubt: Auf jeder Fernbedienung gibt es einen Ton-aus-Knopf.
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Beachte die Inhaltsstoffe der verpackten Lebensmittel und sei vorsichtig, wenn viele Stoffe angegeben sind; weniger als sieben Inhaltsstoffe wären ideal.
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Je unverständlicher, länger und chemischer die Inhaltsstoffe klingen, umso zweifelhafter sind sie.
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Gehe nur einkaufen, wenn du satt bist.
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Kaufe überwiegend, was deine Großmutter vom Namen her auch gekannt hätte.
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Kaufe überwiegend nach einer vorher erstellten Einkaufsliste. Merke: Was du einkaufst, wird dich zu Hause zum Essen verführen. Kaufst du viel, wirst du zu viel essen. Kaufst du Schlechtes, wirst du Schlechtes essen.
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Versorge dich so oft wie möglich mit qualitativ hochwertigen Einkäufen. Beachte die Frische, die Saison, die Art der Produktion, der Ort des Entstehens,... Hier gilt: Zahl mehr und iss weniger.
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Nimm sooft wie möglich nur einen kleinen Einkaufskorb statt des üblichen (großen und unbewusst zum Anfüllen auffordernden) Einkaufswagen.
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Und koche mit echten Lebensmitteln wieder selber. So hast du – und nicht der Produzent - in der Hand, was in das Essen reinkommt.
Reinhard Neumeier, Juli 2011
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