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Der Salat schmeckt nach nassen Papiertaschentüchern? Lauwarm und fad die Suppe? Weich und gammelig das Brot? Gatschig die Nudeln, zerkocht das Gemüse?
→ Ausspucken, zurückweisen, Teller wegschieben, stehenlassen oder zurückschicken, falls Sie in einer Kantine, Kneipe, einem Restaurant oder sonstwo essen. Auf jeden Fall aufhören zu essen. Stoppen, beenden, Mund schließen. Aus. Bereiten Sie das Essen neu zu oder warten auf die nächste Mahlzeit. Was den riesigen Vorteil hat, dass Sie hungrig werden. Und diese kommende Mahlzeit wunderbar schmecken wird. Und Sie so mit der Zeit abnehmen werden anstatt zuzunehmen.
Was Sie nie machen sollten in diesen Momenten misslungener Speisezubereitung: Augen zu und durch! NEVER: Etwas essen, was nicht schmeckt! NEVER: Essen, weil es sich 'gehört'! NEVER: Den Teller leeren, weil es sonst peinlich wäre. Begründeterweise das Essen stehenlassen ist für qualitätsbewusste – und oft schlanke - Personen nicht peinlich. No, never. Ganz im Gegenteil: Jene überquellenden Schwimmringe, die wir Menschen uns durch ein alles akzeptierendes Verhalten auffuttern, sind fatal, prekär und blamabel. Sowohl in den eigenen Augen als auch in jenen der anderen.
Sei anspruchsvoll an das Essen und achtsam! So lautet die heuristische Regel Nummer 5.
Heikel und achtsam zu sein ist die große Kunst, die Welt zu genießen UND schlank zu bleiben. Heikel im Sinne von 'einen bestimmten Anspruch an die Qualität der Lebensmittel haben', nicht im Sinne von 'nur bestimmte Sachen essen' und diese dann möglicherweise oft und in großen Mengen, also ziemlich unausgewogen und daher ungünstig für die Ernährung und das Gewicht. Anspruchsvoll-heikle Menschen achten auf sich, hören in ihren Körper UND lernen so gleichzeitig die Welt von innen kennen.
„Öhh, wieder so ein schwieriger Mitbewohner!“: Meine Frau hatte mir beim Schreiben dieses Beitrages über die Schulter geguckt. Hat sie am Ende mich gemeint? Ich fürchte fast ja. Natürlich haben wir es in den fünfziger und sechziger Jahren anders gehört: „Was auf den Teller kommt, wird gegessen“, „Schönes Wetter gibt es nur, wenn jeder aufisst“. Tun Sie das bitte nicht. Essen Sie nicht auf, weil es zu Hause so üblich war oder weil die Leute 'schaun' könnten oder, Universum behüte, die Leute sich was denken könnten. Seien Sie unbesorgt – die haben heutzutage keine Zeit mehr dazu. Die sind völlig mit ihrem eigenen Leben beschäftigt.

Essen ist nicht nur die bloße Zufuhr von Eiweiß, Fett, Kohlenhydrate oder Vitaminen. Nein, Essen heißt, Freude am Leben finden. Lassen wir es uns schmecken. Essen und trinken wir so, dass wir mit einem zufriedenen Gefühl vom Tisch aufstehen. Schaufeln wir daher auch nicht mittels großer Löffel von großen Tellern in uns hinein. Speisen wir langsam, sodass das Gefühl der Sättigung Zeit hat, diese an sich erfreuliche Nachricht an das Gehirn zu senden. Daher Zeit nehmen zum Frühstücken, In Ruhe etwas trinken, verzehren und auch (ja auch!) naschen. Zeit nehmen, denn diese Information an das Gehirn benötigt rund 20 Minuten, um zu entstehen, anzukommen und vom 'Bewusstsein' bemerkt zu werden.
Anspruchsvoll an die Qualität des Essens sein lässt sich nicht von außen überstülpen. Ähnlich der legendären Empfindungsfähigkeit, die einst die Prinzessin auf der Erbse besaß, ist ein Von-innen-heraus-heikel-Sein eine Fähigkeit, die geübt werden will. Je länger und intensiver, umso besser. Wer von innen heraus heikel sein will, muss achtsam sein. Ein Achtsamer spürt früh seine eigenen Signale. Er spürt, wenn etwas nicht gut ist – und lässt es liegen (siehe oben). Aber er spürt und genießt besonders, wenn etwas gut ist. Achtsamkeit ist erlernbar. Allerdings braucht man Zeit und Übung. Also NICHT während des Filmes gedankenlos Popcorn im Kino aus einem Kübel hineinschaufeln. Eben NICHT Chips vorm Fernseher in den Mund stopfen.
Achtsame Menschen sind der Albtraum der Nahrungsmittelindustrie. Doch meist sind diese Menschen schlank.
Reinhard Neumeier, September 2011
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