Ganzheitliches Counseling in Wien Nach Kategorien Alltag & Sinn Renate Lammy: Heiße Jahre als Aufstieg

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Renate Lammy: Heiße Jahre als Aufstieg Drucken E-Mail
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„Nein - Sie sind nicht im Wechsel. Sie schauen noch so jung aus!“ Obwohl ich bereits mitten in den 'heißen' Jahren war, hat mir meine Frauenärztin ständig das Gegenteil bestätigt. Ich war eben vierzig geworden. Die Haare wurden von silbernen Fäden durchzogen, meine Freundinnen - und natürlich die Friseurin - wollten mir meine neue natürliche Haar­farbe ausreden: „Deine Haare! Nein, da musst du was machen. Du schaust aus wie eine graue Maus. Du bist noch zu jung dafür. Etwas Farbe würde dir gut stehen. Schau mich an, ich färbe mir die Haare schon seit 5 Jahren.“ Ich hörte mir die vielen gut gemeinten Rat­schläge an - Hmmm? Ja, deine Haarfarbe ist wirklich interessant, aber nichts für mich.


Meine Pubertät erlebte ich als emotionale Hochschaubahn. Weder verstand ich mich selbst noch verstanden mich die Eltern. Über den Eintritt ins Berufsleben, Heirat und Schwangerschaft konnte ich mit Freunden und Familienangehörigen sprechen und mir Unterstützung holen. In den Wechseljahren machte ich die Erfahrung, dass Frauen diese Phase ihres Lebens nicht wahrnehmen oder nicht darüber reden wollen.

 

Häufig werden in unserer Kultur die Wechseljahre als eine Krankheit angesehen. Entweder fehlt es an Hormonen (Östrogenen) oder die Eierstöcke funktionieren nicht ausreichend. Dann erwartet uns Frauen im Klimakterium möglicherweise Osteoropose. Frauen wollen zwar einhundert Jahre alt werden, gleichzeitig aber wie Zwanzigjährige attraktiv und leistungsfähig bleiben. Das Klimakterium schleicht sich auf leisen Sohlen ins Leben. Die meisten wollen aber die ersten Zeichen nicht wahrhaben:

„Ich bin siebenundvierzig. Aber nein - im Wechsel bin ich noch lange nicht.“ Diese Einstellung ist verständlich, denn in unserer Gesellschaft erleben Frauen die neue Regel-Losigkeit eher als Abstieg denn als sozialen Aufstieg. Frauen in anderen Kulturen wie in traditionellen, griechischen Dörfern erfahren sehr wohl eine größere Wertschätzung*).

 

Δ

 

Ich wurde in eine Zeit hineingeboren, in welcher der Beruf einen Menschen das Leben lang erhalten geblieben war. Frauen und Männer hatten in den Familien ihre eingespielten Rollen. Das gab Halt, darauf konnte man sich verlassen. Frauen meiner Generation wurden nicht  nach ihren Wünschen oder Talenten gefragt. Mädchen wurden Friseurinnen, Verkäuferinnen oder machten im Büro eine Lehre. Manche sollten den Haushalt besonders gut erlernen und wurden in die „Knödelakademie“ geschickt.

Die Zeit des Wechsels nutzte ich dazu, endlich das zu tun, wozu es früher keine Gelegenheiten gegeben hatte. Ich machte (im zweiten Bildungsweg) die Ausbildung zur Ehe-, Familien- und Lebensberaterin. Keinesfalls wollte ich meine Herzenswünsche bis zur Pension vor mich herschieben. Was für ein wunderbarer Wechsel meiner Auffassungen. Leben heißt im Hier und Jetzt zu leben und mit meinen individuellen Möglichkeiten zu gestalten:

„Die Jugend kennzeichnet nicht einen Lebensabschnitt, sondern eine Geisteshaltung. Ihr werdet jung bleiben, so lange ihr aufnahmebereit bleibt: empfänglich fürs Schöne, Gute und Große, empfänglich für die Botschaften der Natur, der Mitmenschen, des Unfasslichen. Sollte eines Tages euer Herz geätzt werden von Pessimismus, zernagt von Zynismus, dann möge Gott Erbarmen haben mit Eurer Seele – der Seele eines Greises.“ (Marc Aurel zu seinen Soldaten)


Renate Lammy ist diplomierte Partner-, Ehe-, Familien- und Lebensberaterin

 

*) Kosack G., Krasberg U.(2002),  Regel-lose Frauen: Wechseljahr im Kulturvergleich, Ulrike Helmer Verlag

Bild: Am Roten Platz / Moskau

 
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