Ganzheitliches Counseling in Wien Nach Kategorien Psychologie & Gesellschaft Migration: Das Geschenk an die Folge-Generationen der Vertriebenen

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Migration: Das Geschenk an die Folge-Generationen der Vertriebenen PDF Drucken E-Mail


Ägypten: Segelschiff am Nil


Abwechslungsreiche Arbeit, interessante Menschen kennen, amüsante Unterhaltung im Privatleben: Wunderbar, was die moderne Welt uns bietet.

Gleichzeitig bedrängt sie uns durch Negatives: Globale Finanzkrisen, Neuorganisation in Unternehmen, die flächendeckend zu Kündigungen führen. Traditionelle Werte zählen nichts mehr, Konstanz und Beständigkeit gelten als überholt, bisher wichtige Beziehungen werden über Nacht gelöst. Das sind die Hauptprobleme der gegenwärtigen 20- bis 60-Jährigen. Auch der nun lebenden zweiten und dritten Generation der Heimatvertriebenen.

WIE wurde ich zu dem, was ich jetzt bin? Die Entwicklungspsychologie sagt uns, dass dieses 'Wie' wesentlich von den Eltern, Großeltern, Geschwistern, Onkel, Tanten und Urgroßeltern geformt wird. Sie alle beeinflussten auf unterschiedliche Weise von Kindesbeinen an unser Leben. Und sie tun es auf eine unmerkliche Art noch, auch wenn sie längst schon nicht mehr leben.

Wie wertvoll dieses Wissen um die eigene Herkunft ist, erkennt man am Schicksal von Adoptivkindern mit unbekannten Eltern oder von anonym Gezeugten. Obwohl sie oft in einer liebevollen familiären Umgebung aufwachsen, suchen sie spätestens in der Pubertät nach ihrer tatsächlichen Herkunft. Unbedingt wollen sie wissen, woher sie gekommen sind, was ihre physischen Wurzeln sind, wollen sie die Kultur ihrer leiblichen Väter und Mütter kennen lernen. Wenn man von ebendieser Grundlage des eigenen Ich keine Ahnung hat, entsteht Unsicherheit und es nagt der Zweifel an der eigenen Identität.

Da geht es uns, den unmittelbaren Nachkommen der Vertriebenen, sehr gut. Wir haben eine Herkunftsgeschichte. Wir wissen, wer unsere Eltern und Großeltern waren und was sie gemacht haben. Uns wurde erzählt, in welchen Orten und Gegenden sie gelebt haben: Banat, Batschka, Schwäbische Türkei ... Wir kennen die Geschichte der donauschwäbischen Besiedlung und meist auch konkrete Namen unserer direkten Vorfahren. Wir besitzen Informationen über ihr Leben aus dem 19., 18., ja, vielleicht sogar 17. Jahrhundert. Wir wissen vom Drama der Vertreibung unserer Vorfahren Mitte des 20. Jahrhunderts und von deren mühsamem Neuanfang.

Diese Geschichten wurden uns Kindern und Enkeln in einigen Familien oft, in anderen selten erzählt. Aber wir erfuhren zu unserem Glück davon. Weil eben dieses Wissen um das Leben unserer Vorfahren - ihrer Leistungen und Tragödien - einem Schatz gleicht. Dieses Wissen macht uns sicher und hält uns auf stabilem Kurs. Damit navigieren wir durch die Wirbeln der gegenwärtigen Zeit. Dieses Wissen kann uns niemand wegnehmen. Was für ein Geschenk, das wir von unseren Eltern und Großeltern auf unseren Lebensweg mit bekommen haben!


Reinhard Neumeier, März 2010

 
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