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Meditation: Heitere Ameisenkolonie (4) Drucken E-Mail


myanmar buddha eingerüstet



minütlich, stündlich und täglich entstehen neue Minilebewesen. In mir, in dir, in jedem dieser Riesengebilde, das sich Mensch nennt.

Die Minis knospen und wachsen zu spezialisierten Wesen. Sie übernehmen Aufgaben ihrer Mitkollegen, die welken und vergehen. Minis reparieren, 'verhandeln' mit anderen oder stapeln sich zu Gewebestrukturen wie Muskeln oder Sehnen. Auf diese Weise lebt das Innere von uns Vielvielvielvielzellern. Die Geschehnisse auf der tiefen Ebene der Minilebewesen, den Zellen, kriegt der Goliath in den Wolken 'da oben' nicht mit. Das ginge nicht. Wie soll der Riese mit fünf Billionen Minilebewesen kommunizieren?


Allerdings gibt es Rückkopplungen. Das ICH auf der obersten Ebene – sozusagen der Ameisenköniginnen-Ebene – kann Systeme auf der nächst unteren Ebene spüren. Es kann ihren Zustand und Bedürfnisse erahnen. Ein gutes Instrument hierfür ist die Meditation. Das mag esoterisch klingen und einige Leser werden sich vermutlich allein beim Gedanken an ruhiges Sitzen inmitten eines Weihrauchqualmes abwenden.

Bitte nicht so schnell – es wäre voreilig, keiner will das Kind mit dem Badewasser ausschütten. Ja, viele Konzepte der alten und modernen Esoterik sind Glaubenssysteme ohne jede empirische Basis. Doch einiges Weniges scheint die kritische Durchleuchtung durch die Naturwissenschaften zu bestehen: Akupunktur, Manches aus der traditionellen Pflanzenmedizin, Meditations- und Bewegungsformen wie Yoga, Taichi, etc.

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Natürlich ist Meditation nicht gleich Meditation. Die Bandbreite an verschiedenen Formen ist groß. Medi-tation heißt Zur-Mitte-Kommen. Vielen Formen ist eines gemeinsam: ein Ruhe-Geben, ein gleichzeitiges aktivpassives Kommen-und-gehen-Lassen und ein In-sich-Hineinhören. Der Meditierende wird ruhig, achtsam und und nebenbei konzentriert. Meditation wirkt bewusstseinserweiternd und bewusstseinsvertiefend.


Das erste, worauf der Anfänger stößt, sind die Empfindungen der oben erwähnten körpereigenen Subsysteme: man spürt das Heben und Senken des Brustkorbes, das Herein- und Hinausströmen der Luft, eventuell Spannungen im Hals, in einer Schulter oder den Beinen. Meditierende empfinden vielleicht ein Kribbeln im Bauch oder ein Engefühl in der Brust. Und daraus folgt es etwas Wunderbares: Das Wahrnehmen der Gefühle beruhigt, das Echo der Gefühle besänftigt den Körper, Emotionen und Spannungen klingen ab.


Das ICH (die Ebene der Ameisenkönigin) hilft über die gegenseitige Abstimmung mit den Großverbänden der Miniminis wieder sich Selbst. Über ein Aufmerksamwerden auf das Innere, auf das kleinere Eigene helfen wir dem großen Ich. Wie Münchhausen, der sich mittels des eigenen Zopfes aus dem Sumpf herauszieht.


In der psychologisch-philosophischen Sprache spricht man davon, dass Meditation hilft, Entfremdungen zum eigen Ich aufzuheben. Meditaiton unterstützt, das Selbst wieder zufinden. Wir hören in den Körper hinein, hören sein Echo und spüren ihn. Wir verbinden uns mit den ureigensten Systemen, Und so wieder gesundheitförderliche und bewusstseinserweiternde Verbindungen zu unseren eigensten Systemen, den eigenen Ameisen(zell)kolonien. Als Belohnung wird man besonnener und reagiert in der Folge sachlicher. Wir kommen mit uns ins Reine. Wir werden gelassen und gehen heiter durchs Leben.

Reinhard Neumeier

Empfehlenswerte Literatur: Storch M. Et al., Embodiment, Die Wechselwirkungen von Körper und Psyche verstehen und nutzen, Hans Huber Verlag, 2006


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Elemente des Meditierens:

  1. eine bewusst stille Art des Sitzens, Stehens oder Liegens oder eine bewusste Art eines langsamen Gehens.

  2. Die Augen grundsätzlich geschlossen halten. Eventuell geringfügiges Eintreffen der Außenwelt über fast geschlossene Lider.

  3. Durchgehender Anker: Den Atem beobachten. Das Ausatmen verfolgen genauso wie das Einatmen durch Nase in die Lungen.

  4. Aufblitzende Gedanken (als Anfänger) kurz bestätigen, dann aber vorübergehen lassen und nicht mehr weiter verfolgen. Sich wieder dem Atmen zu wenden.

  5. Verspannungen in einzelnen Körperregionen oder allgemeine Gefühle ähnlich wie die aufblitzenden Gedanken distanziert feststellen. Anschließend wieder zurückkehren zum Atmen.

  6. Bewusst und rituell die Meditationssitzung beenden. Zum Beispiel durch ein Einatmen bei gleichzeitigem langsamen Ballen der Fäuste und Ausatmen samt einer raschen beidseitigen Gebärde des Öffnens der Fäuste und der Hände.


Reinhard Neumeier, April 2010

 

Bild: Bambusumrüsteter Buddha / Myanmar

Zum fünften Teil der Serie

 
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