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Zur Zeit beherberge ich Petzibär, den Kater meiner Tochter. Nein, richtiger gesagt: "Ich darf mit ihm Wohnung und Garten teilen". Er gestattet mir das Mitbenutzen. Petzibär ist anders als die Katzen, die ich bisher gekannt hatte. Er ist – trotz seines Namens – abenteuerlustig. Kaum hatte meine Tochter bei der Übergabe das „Reisekörbchen“ geöffnet gehabt, war er rauschgehuscht und hatte selbstbewusst die neue Umgebung erkundet. Dieses Verhalten zeigt er überall. Kein Wunder, kommt Petzibär aus der entlegensten Ecke des stellenweise noch immer wilden österreichischen Waldviertels. Ganz egal davon, ob eine andere Katze mit Erstrevierrechten gemütlich auf der Couch sitzt oder nicht. Er kommt, schreitet neugierig durch alle Räume und vertreibt die Katze. Dann genießt er seinen Sieg. Jede Veränderung ist daher eine willkommene Herausforderung für ihn.
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Veränderungen bringen Farbe ins Leben. Es kommt Bewegung in den Alltag. So beginnen Paare wieder miteinander zu reden: Über die Lage der neuen Wohnung, die Größe, ob es ratsamer wäre gleich ein Haus am Rande der Stadt zu bauen? Man muss ja an die Zukunft denken. Vielleicht ein oder zwei Kinder? Und wenn ein Garten dabei wäre, dann könnten wir Schafe halten – anstelle des Rasenmähers? Vielleicht suchen wir uns Jobs, die näher zum Haus liegen? Wäre vielleicht ...? Da hab ich eine Idee: ... Beide haben nun durch's Reden Chancen, das zu verwirklichen, wovon sie geträumt haben.
Eine Reise von eintausend Meilen beginnt mit dem ersten Schritt: Pläne werden mit Freunden bis ins kleinste Detail geschmiedet und mit Familienmitgliedern besprochen. Und dann stockt's. Vieles bleibt ein schöner Traum. Weshalb? Was kann bei einem kleinen Schritt schon passieren? Sehr viel, denn ein Fuß muss den sicheren Boden verlassen. Das heißt, der Bewegende verliert vorerst sein bisheriges Gleichgewicht und fragt sich: Wohin soll ich gehen? Nach rechts, oder links, oder gerade aus der Nase nach? Der neue Weg ist unbekannt. Angst vor der eigenen Courage kriecht hoch und – schon wird der Fuß wieder auf den gewohnten, alten Platz zurückgestellt. Uff, das war knapp! Aber jetzt fühlt man sich wieder sicher.
War das nicht eigentlich ein Schritt zurück? Erinnern wir uns: Auch Babys landen bei ihren ersten Schritten in die Selbstständigkeit am Po. Gut, der ist windelbepackt und die Landung daher abgefedert. Doch sie tun's wieder, und nochmal und nochmal. Die Eltern locken ihr Kind: Komm', komm', komm' her zu mir ... Bravo, du bist mutig, das hast du guuut gemacht! Um vorwärts zu kommen braucht es oft den Schritt zurück um sich des eingeschlagenen Weges ganz sicher zu werden oder um sich Klarheit für die nächsten Schritte zu verschaffen. Vielleicht war auch die Zeit für eine Veränderung noch nicht reif.
Leider bin ich nicht so eine Draufgängerin wie Petzibär. Veränderungen und deren Folgen rütteln mich ordentlich durch. Doch die Unterstützung durch Familie und gute Freundinnen gibt mir Kraft, einen neuen Weg zu gehen.
Ein Weg entsteht, wenn man ihn geht (chinesisches Sprichwort)
Renate Lammy ist dipl. Partner-, Ehe-, Familien- und Lebensberaterin.

Bild: Zwei Buben laufen an einem karibischen Strand in hereinkommende Wellen
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