Ganzheitliches Counseling in Wien Nach Kategorien Psychologie & Gesellschaft Mobilität: Geborene Langläufer und Ausdauergeher

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Mobilität: Geborene Langläufer und Ausdauergeher Drucken E-Mail


Mobilität als technikunterstütztes Freizeitvergnügen


Lange, elegante Beine + starke Oberschenkel + ausgeprägte Gesässmuskel + hunderttausende Schweißdrüsen auf der Körperoberfläche + ein zurückgebildetes Fell:

Menschen sind ausdauernde Läufer und phantastische Langzeitgeher. Wir tragen das Erbe unserer Vorfahren - das Erbe der Menschheit -  sichtbar mit uns herum. Die prähistorische Jagd, die Vergangenheit und die Anpassungen daran, lebt fort. Unsere Ahnen waren begnadete Jäger gewesen, die Tieren in der Steppe stundenlang verfolgen konnten. Wie uns die Kung San im südlichen Afrika heute noch zeigen: Hetzjagden werden zu Mittag gestartet. Wenn sich die flüchtenden Tiere im Schatten ausruhen wollen, werden sie aufgescheucht. Immer und immer wieder. Solange bis die fellbedeckten und überhitzten Tiere nicht mehr weiterkönnen und zur Beute werden.


Für unsere Vorfahren war Hitze kein unüberwindbares Problem  - das Wärme stauenden Fell war längst abgelegt worden. Anstatt wie Wölfe oder Bären hechelnd mittels heraushängender Zunge abzukühlen, legten sich die Urururvorfahren Schweißdrüsen direkt unter der blanken Haut zu. Anstatt auf allen Vieren zu laufen, bewegten sie sich aufrecht und boten so der brennenden Sonne nur ein Viertel der Körperoberfläche als vorher.

Unübersehbar ist: Wir sind noch immer mobile Jäger und Wanderer - herumziehend, streunend, trabend, surfend, flitzend, jagend, schigleitend, fliegend, Rad- und Auto fahrend. Wir lieben die Bewegung und haben großen Spass, nicht nur am Boden herumzustreifen, sondern am Wasser und in der Luft mit Wellen und Wind zu spielen. Auch wenn der moderne Mensch behäbig geworden ist und sich durch geeignete Technik, Materialien und Geräte wie in Sänften tragen lässt: An der grundlegenden Freude am Mobilsein ändert sich nichts.


Mobil zu sein hieß ursprünglich, Zugang zu weiteren Ressourcen und Lebensmöglichkeiten zu haben: Neue Jagdgründe, neue Sammelplätze oder neue Partner zu finden. Unsere Vorfahren konnten Gefahren ausweichen und sich der Natur anpassen. Millionen Steinzeit-Jahre waren wir Jäger, Sammler gewesen. Mobil zu sein ist in unseren Genen gespeichert. Sesshaft wurden wir erst in den letzten 10.000 - 12.000 Jahren. Ein Wimpernschlag angesichts der Jahrmillionen währenden Evolution dieser Eigenschaften.


Kein Wunder, dass wir Mobilität lieben. Sogar jetzt nach einigen Jahrtausenden der Sesshaftigkeit. Nun, wo wir Techniken einsetzen, um trotz einer standorthaftenden Kultur wieder mobil zu sein. In der Regel sitzen wir wohlgenährt und mit Fettreserven versehen am Schreibtisch, vorm Fernseher oder Computer. (Aus gesundheitlicher Sicht:) leider sind die Wege dorthin von Aufzügen, Rolltreppen, Bahnen und Autos gekennzeichnet.

Auf technisierte Art leben wir das Erbe der Vergangenheit aus. Obwohl wir begnadete Dauerläufer sind, tragen uns (aus gesundheitlicher Sicht: leider) motorisierte Plattformen huckepack herum. Wir jagen und erlegen nicht mehr Antilopen, sondern Termine, Arbeitsplätze und Urlaubsorte. Unsere Steppenpfade haben sich (aus gesundheitlicher Sicht: leider) zu asphaltierten Straßen und Autobahnen gewandelt.


Nach wie vor lieben wir das Gefühl, den Horizont überwinden zu können. Auch wenn uns hierbei andere mobile Menschen in die Quere kommen: Durch Stau oder das Wegnehmen von Parkplätzen. Das Gefühl der Macht, das Empfinden der Omnipotenz, sich überall hin bewegen zu können, zählt. Das Erbe der Vergangenheit hat unsere Psyche fest im Griff und damit (aus gesundheitlicher Sicht: leider) auch den wohlbeleibten Körper.


Reinhard Neumeier, September 2010

 
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