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Neues gefühlsintegrierendes Coaching
"Khoutsch" - was ist das? Ein Bett oder ein Teddybär zum Knutschen? Fragen wir einen x-beliebigen Buben: Klar weiß er das, was für eine Frage.
Er kennt die Welt des Fußballs und weiß, dass ein Coach der Mann außerhalb des Spielfeldes ist, der - mal ruhig, mal aufgeregt - Anweisungen an die Spieler gibt. Er tauscht sie gelegentlich aus und diskutiert verbotenerweise mit dem Schieri. Meist tut er auf gelassen. Wenn seine Mannschaft ein Tor schießt, dann reißt er triumphierend die Arme hoch - er spielt körperlich auch mit.
Im englischen Wort coach steckt das deutsche Wort Kutsche. Coaching heißt Kutschieren von Personen. Personen, die von einem Ausgangsort zu einem Zielort wollen. Das klingt nach Fahrplan: ich steh jetzt genau hier und will bis dann exakt dorthin. Und du, lieber Kutscher, hilfst mir dabei. Ähnlich wie beim Fußballspielen sind die Aufgaben klar verteilt: einer oder einige (die Betreuten, als Begriff: die Coachees) reist höchstpersönlich, der andere (der Betreuer, der Coach) hilft, einen geeigneten Weg zu finden.
Soweit die Standarderklärung vom Coachen. Doch was ist NACH dem Erreichen des Zieles? Aus siegreichen Teams werden schnell Looser-Mannschaften, wenn der Coach weg ist. Ähnlich einem Auto, das nach der Zielankunft auseinanderbricht: Tschüss, das war's jetzt. Wer kauft so was? Seltsamerweise tun es viele, sogar im Businessbereich, weil das Stabilisieren des einmal Erreichten allgemein nicht verstanden. Die praktizierten Coachingmethoden basieren auf cleveren Modellen. Viel zu clever, viel zu vernünftig. Die Modelle betrachten den Menschen als Roboter, wo man nur den Piloten (das Gehirn, das Ich, den Willen) durch positives und gezieltes Denken instruieren muss. So ein rein rationales Vorgehen taugt, um EINMAL das Ziel zu erreichen, selten öfter.
Die Abspaltung des Geistes vom Körper funktioniert langfristig nicht. Die meisten Coachingmodelle beruhen jedoch auf dieser Trennung. Die plakativ mittels Beamer an die Wand geworfenen Modelle zeigen Kreise, Pfeile, Pyramiden oder Tabellen mit unzähligen Hauptwörtern. Ob auf einer Powerpoint-Seite wirklich die reale Lebenswelt eingefangen werden kann?
Die vielen unerwarteten Situationen und Ereignisse, denen wir uns flexibel anpassen müssen? Ganz zu schweigen von den Stimmungen und Gefühlen von Menschen: ein absolutes NoNo in den herkömmlichen Coachingmethoden → die sind in den Charts voller Balken, Spiralen und Kreisen nicht vorgesehen. Viele Methoden isolieren den Kopf und schreiben kühl vermeintlich Logisches auf geduldige Seiten. Diese Methoden bauen ihre Gebäude auf abgeschlagenen, leer geronnenen Köpfen, wie sie in der Französischen Revolution zuhauf produziert wurden. Die gerade noch lebendig gewesenen Körper verbluten einstweilen mit all ihrer Wärme.
Holt die Vernunft in den Körper zurück!
Das ist der Schlachtruf, der in Humanwissenschaften zunehmend Gehör findet. Im Wissenschaftsjargon heißt das eine fundamentale Sichtänderung, ein "Paradigmenwechsel". Geist und Ratio werden in den Körper wieder integriert. Man holt den gefühlsbewussten Körper als wesentliches Erfahrungsinstrument zurück. Der neue, noch exaktere Schlachtruf des 21. Jahrhunderts könnte daher sein:
Holt die Gefühle in den Körper zurück!
Wissenschaftler, Neurobiologen, Psychologen, Therapeuten erkennen zunehmend, dass der Körper ein großes Machtzentrum (!) darstellt. Seine Haltung, seine Handlungs- und Gefühlsmuster, seine verschiedenen Denk- und Verhaltensstile sind innig untereinander vernetzt. Körper und Geist, Gefühle und Vernunft durchdringen einander. Das sogenannte Vernünftige allein ist auf Dauer wie Packpapier ohne Inhalt. Der Körper nimmt die kopflastigen Ergebnisse herkömmlicher Coaching-Methoden als Fremdkörper wahr und entfernt sie schnell. Womit der arme Klient wieder am Ausgangspunkt steht.
Im Idealfall dringen die neuen Fähigkeiten (= Ziel des Coaching) in den Körper ein, fusionieren mit den bisherigen Mustern und bestimmen von innen heraus die Handlungen des Klienten. Dieser ist nun nicht mehr nur ein 'Gecoachter', sondern hat das Angestrebte kreativ in sich aufgenommen, an die bisherigen neuronalen Muster in seinem Gehirn gekoppelt und dauerhaft umgesetzt. Die Handlungsabsichten, Denkstile und Gefühlslagen sind eins geworden. Nichts wirkt antrainiert, alles ist echt. Die Persönlichkeit hat sich weiterentwickelt: man tut nicht mehr so als wäre man freundlich, sondern ist freundlich:
Wer kennt nicht das antrainierte Standardverkaufslächeln: Mundwinkel nach oben ziehen und schon lächeln Verkäufer die Kunden an.
Nur - wir Kunden sind schlau. Unbewusst durchschauen wir das Manöver. Menschen spüren das von Innen kommende Lächeln, das sogenannte Duchenne-Lächeln. Bei diesem sonnengleichen Strahlen bewegen sich mindestens noch die Augenringmuskeln, die willentlich nicht zu beeinflussen sind.
Ein echtes Lächeln zeigt sich am ganzen Körper. Der echt Lächelnde ist freundlich – auf seine eigene Art. Er ist authentisch aufgrund seiner Persönlichkeit. Er lächelt seinem Charakter und seinem Temperament angemessen. Er wirkt echt und ist es.
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Der Coach der Zukunft wird das universale Machtzentrum – den stimmungsbehafteten Körper – verstehen und von Anfang an berücksichtigen. Nur so kann er dem Klienten helfen, auf lange Sicht benötigte Fähigkeiten zu erwerben. Je mehr eine Person öffentlich wirksam ist, umso eher braucht sie jene Rollen und Fähigkeiten, die zu ihr passen. Denn das Authentische kommt beim Publikum an, nicht das Antrainierte! Dem neuen Coaching, das integriert, das Kopf und Bauch berücksichtigt, wird die Zukunft gehören.
Reinhard Neumeier, Juli 2009
Bild: Personen, die auf einem See in Burma zu einer Sehenswürdigkeit gerudert werden
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