Ganzheitliches Counseling in Wien Nach Kategorien Wissenschafts-Philosophie & Lernmethoden Lernmethoden: Effizient lesen (1) - Intrinsisches Lesen

Wortwolke des BLOGS

Lernmethoden: Effizient lesen (1) - Intrinsisches Lesen Drucken E-Mail
Leser auf einem Gemüse- und Obstmarkt in Kalabrien/Süditalien
Umweltvergessen im Lesen versunken sein -
egal, ob in einer Boulevardzeitung, einem Fachbuch, einem E-Book oder vor dem Bildschirm. Das ist die hohe Kunst, in fremde Welten einzutauchen und zu lernen.
.
Das Lesen erzeugt Theater im Kopf. Lesen lässt Dramen oder Lustspiele entstehen. Wir selbst stellen Regisseur, Schauspieler und Zuseher dar. Alles in einem und alles gleichzeitig. Am Ende klatschen wir oder brechen das Stück nach wenigen Sekunden ab, falls es uns nicht gefällt. Wie hoffentlich nicht diesen Essay.
.
Unsere technisierte und elektronisierte Gesellschaft beruht zum größten Teil auf dem Lesen. Auf dem Aufnehmenkönnen und der Auseinandersetzung mit geistigen Inhalten. Rezepte, Gesetzestexte, Romane, Comic-Hefte oder Straßenschilder an Häusern: Immer geht es um Inhalte, die virtuell vermittelt werden. Die Vermittlung und Auseinandersetzung mit den Inhalten findet nach wie vor in schriftlicher Form statt. Eine Schrift besteht aus Symbolen. Das sind Zeichen, die für etwas Anderes stehen. Diese Symbole wollen verstanden sein. Dann funktioniert die Verständigung.
.
Δ
.
Lesen heißt umsetzen und verstehen dieser Symbole. Lesen heißt Eintauchen in die geistigen Inhalte, die hinter den Symbolen stehen. Lesen heißt damit Beamen in eine fremde Welt. Körperlich real wird Beamen auch in ferner Zukunft nie Realität werden. In der Gegenwart hingegen schon! Durch Lesen. Beamen läuft durch Eintauchen in die hintereinander entcodierten Symbole in unserem Kopf ab: Virtuell wie Jahrtausende schon. Im Raumschiff Enterprise saßen schon die Babylonier und alten Ägypter.
.
Das Schönste am Beamen ist jenes selbstvergessene Lesen, das durch einen spannenden Krimi oder eine rührende Liebesgeschichte erzeugt wird. Ist doch so, nicht wahr? Die Umwelt versinkt für einige Zeit, wir leben in und mit den handelnden Personen, fühlen mit den Helden, verachten die Bösewichte, empfinden Befriedigung, wenn Mörder und Wirtschaftsbetrüger die gerechte Strafe erhalten und freuen uns über ein Happy End. Seufz, ja wie schön!
.
Je mehr wir in diese Welt eintauchen, je spannender, unterhaltender und emotional befriedigender sie ist, umso farbenfroher und lebendiger erfahren wir die Geschichte, umso besser behalten wir sie im Gedächtnis. Und umso motivierter werden wir sein, bald wieder zu lesen, um eine neue Geschichte zu erfahren.
.
Psychologen nennen das intrinsische Motivation, eine Motivation, welche von innen kommt. Ein Lesedrang, der vom eigenen Selbst kommt. Ein Drang zu einer Tätigkeit (in diesem Fall zum Lesen), der ohne Umwege und sofort Genuss bietet. Das Lesen von Belletristik beispielsweise ist meist Genusslesen.
.
Der Gegensatz ist extrinsisch motiviertes Lesen. Hier wird das Lesen von außen an uns herangetragen. Wie das Lesen (und Lernen) von Sach- und Fachbüchern, von Beiträgen in Fachzeitschriften und Kapiteln in Lernskripten. Lehrer, Kollegen oder Vorgesetzte wollen was von uns. Genuss gibt es erst später, manchmal viel später: Durch positive Schulnoten, Bestehen von Prüfungen, Studienabschlüssen oder Aufstieg am Arbeitsplatz.
.
Der große Trick des effizienten Lesens (und damit erfolgreichen Lernens) besteht darin, all diese Fachbücher und Aufsätze so in Angriff zu nehmen, dass zu hohen Anteilen intrinsisches Lesen entsteht. Dass sich Einbezogenheit ergibt -beispielsweise durch Übersicht über Inhalte oder Anpassung an die eigenen Bedürfnisse.
.
Mehr darüber im zweiten Teil dieser Leseeffizienz-Serie.
.
Reinhard Neumeier, August 2010
.

Leser auf einem Gemüse- und Obstmarkt in Kalabrien/Süditalien
 
Copyright © 2012 reinhard-neumeier.at
Alle Rechte vorbehalten