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Fachbuch / erstes Kapitel / erster Satz "quaquaundsososoundquaqua...."
Oh, das war Ihr Beginn des Lesens? Den dicken Wälzer aus dem Regal genommen und mit den ersten Zeilen des ersten Kapitels begonnen? Sorry, aber Sie haben die Schlacht um den Inhalt wahrscheinlich schon verloren. Schade um die psychische Energie, die Sie veranlasste, sich aufzuraffen, den Wälzer zu besorgen und mit dem Lesen zu beginnen.
Deutlich aussichtsreicher, sich den Inhalt sowohl überhaupt als auch das Wichtigste auf Dauer anzueignen, ist ein Lesen vor dem Lesen!
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Lesen Sie zuerst, was Sie demnächst lesen werden! Dann wissen Sie, was auf Sie zukommt. Dann wird sich Ihr Gehirn darauf einstellen (= entsprechende Assoziationen mit ähnlichen Erfahrungen aktivieren zum Beispiel) werden Sie gezielter und aufmerksamer die Inhalte erfahren. Und das Gelesene auch besser merken!
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Ein Lesen vor dem Lesen bedeutet, zuerst das Buch zu wenden. Auf der Rückseite steht meist in kurzen Sätzen, wovon das Buch handelt. Den Umschlag nicht zu lesen, heißt, an der falschen Stelle Zeit sparen. Autor und Lektor haben sich bemüht, auf der Buchrückseite den Inhalt kurz und prägnant zu charakterisieren. Unser Gehirn nimmt diese Information dankbar auf. Denn wir kennen nun den Horizont des Buches, wir ahnen, was auf uns zukommt. Und fühlen uns anschließend sicherer und wohler. Das Meer an Buchstaben, Zahlen und Sätzen ist zwar noch tief, aber nicht mehr unbekannt.
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Nein, stopp - auch jetzt ist es zu früh, mit dem ersten Satz des ersten Kapitels beginnen. Werfen Sie vorher Blicke auf das Inhaltsverzeichnis und die (hoffentlich kurze) Einleitung. Blicke reichen - ein Detailstudium wäre zu früh. Inhaltsverzeichnisse und Einleitungen helfen, die Untiefen des Sees inhaltlich erstmals auszuloten. Sie erkennen, welche Kapitel voraussichtlich wichtig und welche unwichtig sind. Letztere brauchen Sie meist gar nicht mehr lesen.
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Denn es gilt: Das Richtige lesen und nicht den Füllstoff. Autoren und Verlage (insbesondere amerikanische Verlage) neigen zum Füllen. Der Kaufende soll für sein Geld was in der Hand haben. Stimmt das 4- oder 5-Cent-pro-Seite-Verhältnis nicht (ist es zu groß = muss der Käufer je Seite viel bezahlen), so bleibt das Buch im Regal oder im Lager des Versandhandels liegen. Also wird mit Unwichtigem angefüllt. Füllmaterial gilt es zu erkennen und zu umgehen. Füllmaterial kann natürlich auch ein Stoff sein, der für eine angestrebte Prüfung nicht benötigt wird. Also weg damit, denn Nichtlesen von Unnötigem ist das effizienteste Lesen!
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Und damit einen Schritt zurück. Soeben wurde die Auswahl geschildert, die Ausrichtung auf geeignete Stellen EINES Buches. Nun bieten selbst Fachbücher eine enorme Vielfalt an formalen Stilen und inhaltlichen Vorgehensweisen an. Wir benötigen aber besonders beim ersten Erkunden eines Lernstoffes jenes Buch, das unserem Gehirn vertraut vorkommt. Ein Buch, uns erlaubt, zumindest teilweise an bereits bekannte Strukturen und Inhalten anzuknüpfen. Das nämlich fördert rasches Aufnahmen, richtiges Verstehen und anhaltendes Merken!
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Auswahl aus Vielem!
So seltsam das nun klingen mag: Wollen wir effizient und nachhaltig lernen, so greifen wir auf mehrere Quellen zu. Besser zwei unterschiedliche Bücher zum selben Thema lesen (oder teilweise erlernen) als eines! Die Gründe sind einfach: Ein Autor bevorzugt das Formale und Mathematische, liebt Tabellen und Graphiken, bietet dafür nur einen trockenen, wenig redundanten Schreibstil. Erfahrene Techniker werden genau so was bevorzugen. Und Ihr Gehirn speichert sich das Neue oder (bevorzugte) trocken Plausible oder Passende in die bisherigen Strukturen ein - so behalten Sie es länger.
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Andere Leser werden davor jedoch kapitulieren. Künstler und Kulturwissenschaftler werden eher von Erzählungen angesprochen werden. Sie finden einen Autor spannender und - in der Tat - aufschlussreicher, der dasselbe Thema erzählerisch mit zahlreichen Beispielen behandelt. Manche Autoren legen Wert auf die historische Entwicklung des Gegenstandes, kritische Anmerkungen zu verschiedenen Theorien, usw. Ideal für Fortgeschrittene.
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Wir brauchen für effizientes Lernen daher Mut in zweifacher Hinsicht: Erstens zur Lücke und zweitens zu Vielem. Erstens sollten wir - zumindest anfangs - nur sorgfältig ausgewählte Stellen lesen, so wie eingangs beschrieben. Zweitens sollten wir ausgewählte Stellen aus zumindest zwei Büchern lesen.
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Eine solche Vorgehensweise wird in den meisten Fällen besser sein als ein Buch von Anfang bis zum Ende zu lesen oder zu erlernen. Unser Gehirn will oft etwas Neues zum vertrauten Bisherigen erfahren. Immer das Gleiche jedoch vor den Augen zu haben (denselben Autor, denselben Stil, dasselbe Buch), wird unsere Gehirnzellen fadisieren. Erinnern wir uns: Ganz anders funktioniert das intrinsisch motivierte Lesen (= von innen motiviert): Diese Art des Lesens läuft ohne Anstrengung ab. Es ist pures Vergnügen, und Vergnügen mag unser Gehirn. Also Auswahl aus Vielem - eben auch Interessantem!
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Das Fazit daher lautet: Durch eine kräftige Selektion aus Vielem stellen Sie einen persönlich angepassten Lese- und Lernstoff zusammen. Eine solche Technik des Lesens und Lernens führt Elemente des intrinsisch motivierten Lesens ein. Sie sichern dadurch drei Dinge:
- Dass der anzugehende Seitenumfang durch gezielte Vernachlässigung und Nichtlesen deutlich reduziert wird,
- dass Sie auf Neues stoßen,
- dass dieses Neue in vertrauter Weise angeboten wird.
All das erspart psychische Energie, macht unter Umständen sogar das Lesen schwieriger Fachbücher freudvoll. Und für Prüfungen aller Art wichtig: Eine solche Lesetechnik bereitet den Boden, dass Sie sich an für Sie wesentliche Inhalte auch in den nächsten Wochen erinnern werden.
Reinhard Neumeier, August 2010
Zum dritten Teil der Lese-Effizienz-Serie.
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