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Je schneller wir lesen, umso weniger verstehen wir. So simpel funktioniert der Mensch.
Ja, ein Schnelllesekurs lehrt, Zeit einzusparen. Man kann nun wie ein ICE-Zug mit 250 km/h durch die Buchstaben jagen. Und? Das Ergebnis? Scheinfrüchte!
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Sich wie ein Blitz durch die Wörter pflügen gleicht jenem Theatersouffleur, der den Schauspielern eines Tages dreimal so schnell Rollentexte vorspricht. Entweder rasen nun die Akteure ebenfalls auf der Bühne herum und die Zuschauer verstehen das Stück nicht mehr (und werden dieses Theater nicht mehr besuchen). Oder die Schauspieler ignorieren den rasenden Souffleur, gucken in die Luft oder improvisieren.
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Mit Zwang und Peitsche dieselbe Menge an Wörtern einfach schneller zu lesen, ist lernpsychologisch ein großer Unsinn. Das Forcieren der bloßen Geschwindigkeit beeinträchtigt das Verstehen. Mechanisch schnell zu lesen heißt, auf viele wichtige Assoziationen im Gedächtnis zu verzichten. Assoziationen, die im Netzverbund der Nerven die Chancen auf passendes Erinnern stärken. Der rasende Leser gibt seinem Gedächtnis hierzu aber keine Zeit. Das Ergebnis wird in den meisten Fällen daher ein geringes langfristiges Erinnerungsvermögen des Gelesenen sein. Und damit sinkt natürlich enorm die Möglichkeit des Anwendens des Gelesenen.
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Deutlich besser als alles schneller lesen zu wollen ist, intelligent Ausgewähltes zu lesen. Hier kommt man durch die Auswahl interessanter Teile und durch ein Vermeiden des Füllstoffes schneller voran. Zum Beispiel durch die Methode des Diagonallesens = Überfliegendes Lesen + 'Probebohrungen'.
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Wenn Sie aufgrund des Lesens vor dem Lesen (siehe Teil zwei) schon grundsätzlich wissen, worum es im Text geht, reicht es oft, so vorzugehen:
Die Seiten innerhalb eines Kapitels diagonal von links oben nach rechts unten zu überfliegen. Und hierbei zu schauen, ob das Auge ein interessantes Wort oder eine auffällige Wortgruppe findet. Um dann um diese Fundstelle kreisförmig weiter zu suchen. Eben eine Art Probebohrung im Text durchzuführen. Manchmal findet man nichts. Manchmal belohnt der Fund eines besonders einprägsamen Beispieles die Suche. Ein Beispiel, das rückwirkend vorherige Schlüsselstellen verständlicher macht oder besser im Gedächtnis verankert.
Natürlich gilt: Je geübter Sie sind oder je mehr fachliches Vorwissen vorhanden ist, umso besser funktioniert das. Ein großes Netz zum Einordnen und Speichern ist ja bereits da.
als Nächstes gilt freilich: Mit dieser Methode des selektiven Lesens findet man nicht zu 100 % alle relevanten Stellen. Aber es ist sehr oft besser, Abschnitte und Kapitel durch überfliegendes Lesen grob zu verstehen als gar nicht. Und damit viel Zeit einzusparen. Sie werden entdecken, dass sich nicht so selten inhaltlich die aufgewendete Zeit mangels Qualität gar nicht ausgezahlt hätte.
Nochmals zusammengefasst: Die in dieser Serie vorgestellten Verfahren betonen das übergreifende und verstehende Lesen. Es geht um intrinsisch motiviertes Lernen und Lesen, um ein Lesen vor dem Lesen, um ein Lesen in Sinngruppen und ein Lesen mit dem Stift. Die Hinweise zum verbesserten Lesen lassen sich kompakt so zusammenfassen:
Gut vereinfacht ist halb gewonnen
Es wird Ihnen vielleicht schon aufgefallen sein: Die beschriebenen Methoden des effizienten Lesens widersprechen den Lesemustern, die wir alle in der Grundschule gelernt und eingeübt hatten. Diese waren damals eine gute Sache. Jetzt aber sind die damaligen Muster eines linearen Alleslesens hinderlich geworden. Bauen Sie Sie daher Ihre aus der Volksschulzeit übernommenen Gewohnheiten um. Legen Sie die alten Muster Schritt für Schritt ab. Das Ändern jahrzehntelang gewohnter Lesegewohnheiten wird zwar vorerst mühsam sein, zahlt sich aber aus!
Reinhard Neumeier, August 2010 |