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Warum macht man so Vieles falsch obwohl man in der Theorie meistens weiß, was richtig ist? Warum muss man so sehr leiden , wenn man was falsch gemacht hat? Warum weiß man selten, wenn man was richtig macht. Aber wehe man macht was falsch?
Warum kann man nicht ohne große Mühe glücklich sein? Ich weiß schon, dass man an sich selbst arbeiten MUSS und man die schönen Seiten im Leben sehen MUSS... blablabla. Was hilft es, wenn einem das Schicksal, der Zufall, andere Menschen nicht mitspielen? Man tut und macht und tut und findet Schönes im Leben und bei Menschen und platsch ist alles wieder anders!? Warum?
Mein Beispiel: Hab keine Familie, nur Verwandte - meine Schuld? Oder die der Partner? Beim Geld gibt’s ein Minus aufgrund einer falschen Entscheidung von mir - Meine Schuld! Der Beruf ist ok - man muss nehmen was man verdient/kriegt Bin ich glücklich obwohl ich versuche, positiv zu denken und an mir zu arbeiten? - Nein! Warum ist das Leben so? Eine Anfrage an die ganze Welt.

Liebe Anfragende, Sie stellen viele und völlig richtige Fragen! Was mache ich falsch, was richtig? Was tun? Warum ist mein Leben so, wie es ist, warum nur? Sie können jetzt ruhig die Computermaus nach mir werfen, aber ich finde, Sie haben einen großen Schritt in Richtung besserer Lebensbewältigung gemacht. Sie stellen elementare menschliche Lebensfragen. Sie stellen sie anstatt wie gehabt und ohne viel darüber nachzudenken, weiter wie bisher zu tun. Gratuliere, Sie sind mitten in der Lebensphilosophie gelandet. Oder noch besser: inmitten unterschiedlicher Lebensphilosophien und Weltauffassungen. Allen ist eines gemeinsam: Je nach übergeordneter Vorab-Antwort nehmen Sie bestimmte Lebensweisen an.
Es gibt zwei Extrempositionen, wie man Ihre Fragen beantwortet, um Antworten und Hinweise zu erhalten, was zu tun wäre.
(1) Die eine extreme Antwort haben Sie schon genannt: Nach dieser Auffassung wäre jeder selber an seinem Schicksal schuld (Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied oder schlechtes Karma nach südasiatischer Auffassung). Dass das so nicht sein kann - diese Antwort haben Sie sich schon gegeben. Ich finde das sehr gut so.
(2) Die andere Extremposition hieße Schreien nach Hilfe, hieße Suchen und Schreien nach einem übermächtigen Wesen, das alles für einen richten soll. Sie kriegen dann nicht nur Antworten, wie Sie leben können, sondern wie Sie leben MÜSSEN. Die Vertreter etablierter Religionen und Gurus esoterischer Sekten nehmen diesen Hilfesuchenden das Denken ab. Die Hilfeschreienden erhalten zwar Anleitungen und Trost, sind aber ab sofort Sklaven und Leibeigene.
Ganz klar, dass Sie diese zweite Position auch nicht vertreten. Wobei diese zweite Extremposition immerhin eine Position ist, die derzeit mehrere Milliarden Menschen auf dieser Erde einnehmen. Gratuliere, in diese Falle sind Sie nicht gestolpert. Sie haben mehr richtig gemacht, als Sie selber glauben!
Die Fragen, die Sie vehement stellen, sind Türöffner zu einem bewussteren und langfristig auch erfüllteren Leben. Diese Fragen haben die bedeutendsten Philosophen in den letzten Jahrtausenden beschäftigt. Die philosophischen Antworten lagen meist zwischen diesen beiden Extrempositionen und haben – unter viel anderem - manchmal mehr das Streben nach Glück oder Zufriedenheit oder manchmal auch ein Annehmen des Hier-und-Jetzt-Daseins betont.
All diesen Antworten ist eines gemeinsam: sie können für einen Menschen passen oder auch nicht. Das ist so, die Welt und das Leben sind komplex und wir Menschen sind sind völlig unterschiedlich, lebendig, und eben keine mechanischen Puppen. Wesentlicher als ein Lotto-Gewinn (dass man immer das Richtige macht, was eben ohnehin nicht möglich ist), ist das Erkennen dieses Prozesses, das Einsehen in der Unmöglichkeit, etwas erzwingen zu wollen. Denn was wir Menschen erkennen, ängstigt uns selten mehr, gibt vielmehr eine ruhige Zufriedenheit, die in das ganze Leben strahlt.
Ich vermute, dass Sie dazu neigen, die negativen Seiten des Lebens zu sehr ins Auge zu fassen. In diesem Falle würde ich Ihnen zusätzlich zu den angedeuteten philosophischen Überlegungen zum Leben und unserem Dasein einfache, gar nicht so komplizierte Anwendungen der KVT (kognitiven Verhaltenstherapie) empfehlen. Verbunden mit Achtsamkeitsübungen sollten Sie diesen emotionalen Grauschleuer, in dem Sie derzeit hängen, zerreißen können.
Alles Gute!
Reinhard Neumeier, Wien im Juli 2011
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