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Ich glaube, meine Tochter (Ende dreißig) hat ein Burnout ... Drucken E-Mail


Ich glaube, sie hat Burnout. Hat Haus gebaut, gesiedelt, sortiert. Sie lässt sich nicht helfen, kriegt nichts mehr auf die Reihe, ist perfektionistisch und bezweifelt alles. Folge: Streit mit dem Ehemann, der Haushalt wird vernachlässigt. sie ist ständig müde, hat Gewichtsabnahme, Allergien, ist oft verkühlt.

Sie sagt, sie würde 14 Tage Ruhe brauchen. Meiner Meinung nach bräuchte sie eine Therapie. Bei einem Besuch an diesem Wochenende bei Ihr riet ich Ihr dringend zu einem (vorerst) Allgemeinmediziner zu gehen. Wie soll ich sie dazu motivieren, bzw. in Ihrer Lage unterstützen?


Steirischer Baum


Liebe Frau ......,

Ihre Beschreibung der Situation und des Befindens Ihrer Tochter klingt nach bereits lange währender und eben dauerhafter Überforderung. Die Aussage Ihrer Tochter, sie würde '14 Tage Ruhe brauchen', ist ein erstes Signal, dass diese Erkenntnis langsam auch bei ihr Fuß fasst.


Selbstverständlich sind 14 Tage viel zu wenig - üblicherweise rechnet man bei Burnout eine Erholungszeit von ungefähr 10% jener Zeit, in welcher die chronische Überforderung stattgefunden hatte. Aber diese Zeitdauer eines Wiederfindens würde Ihre Tochter derzeit abschrecken. Falls sie irgendwann psychologische Beratung in Anspruch nimmt, wird sie dies ohnehin erkennen.

Liebe Frau G., Sie ahnen vieles von den Ursachen: Vor allem das Perfektionistische ist oft ein wesentlicher Faktor eines chronischen Erschöpftseins. Überzogene Ansprüche an andere und natürlich an sich selbst führen rasch dazu, dass gar nichts mehr geht. Höchste, kaum erreichbare Ziele schrecken ab. Das Aufsuchen eines Allgemeinmediziners ist ein guter erster Schritt. Ermutigen Sie Ihre Tochter, diesen auch wirklich zu tun. Nur zählt hier das WIE des Ermutigens! Auf welche dezente Art und Weise können Sie die Tochter motivieren, konkrete Maßnahmen zu setzen?

  1. Was sind im Leben der Tochter die wichtigsten Dinge: Die Ehe, das Kind? Setzen Sie hier an. Ein direktes Ansprechen wie „Du bist im Burnout! Mach was!“ führt aller Erfahrung nach zu Abwehr und zu einer Übersensibilisierung bei allen Sätzen und Wörtern, die auch nur andeutungsweise in diese Richtung weisen.


  2. Beachten Sie aber, dass die meisten eine starke Hemmung fühlen, zu einem Psychologen oder Therapeuten zu gehen. Ist jedoch der erste Kontakt geschafft, sieht man rasch (oft schon im und nach dem ersten Treffen), dass Gespräche mit Psychologen & Therapeuten sehr erleichternd wirken und die Aussicht, das Leben (Ehe, Kind, Gesundheit) bald wieder in den Griff zu kriegen, sehr gut sind.

  3. Vergessen Sie nicht, gelegentlich zu erwähnen, dass in der heutigen komplizierten Zeit jener lebenstüchtig zu nennen ist, der zur richtigen Zeit professionelle Hilfe annimmt. Niemand kann heute  mehr alles können. Modernes Leben bedeutet, zur gegebenen Zeit passende Hilfsmittel finden und gebrauchen.


Die besten Wünsche für eine einfühlsame und deshalb auch eher realisierbare Hilfestellung an Ihre Tochter!

Reinhard Neumeier, Juni 2011

 
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