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Am liebsten hätte ich eine harmonische Patchworkfamilie. Mein Freund will aber nur mich allein Drucken E-Mail


Bin Ende dreißig, geschieden, habe aus dieser Ehe drei Kinder. Nun gibt es wieder einen Mann in meinem Leben. Er ist Anfang dreißig, kinderlos, war nie verheiratet, hatte bisher Fernbeziehungen =  er sah seine jüngeren und kinderlosen Exfreundinnen nur alle 14 Tage.


Ich suchte keinen Erhalter meiner Kinder. Ich habe einen tollen Job, verdiene ausreichend, wir haben ein gutes Leben auch ohne Mann im Haus. Ich wollte eher einen Mann für mich. Solange alles so schön und auch irgendwie unverbindlich lief, war unsere Beziehung okay. Ich verliebte mich aber immer mehr, wollte mehr von ihm, nun hat er sich zurückgezogen ;-(

Ich schlug einen gemeinsamen kleinen Urlaub mit meinen Kindern vor. Nun teilte mir aber mein Freund mit, er komme mit meinen Umständen absolut nicht klar. Er meint, es würde immer eine dritte Person (mein Ex) dazwischen sein, wenn die Kinder da sind (ja sie reden sehr viel über ihren Vater).

Ich fühle mich nun zerrissen!  Am liebsten hätte ich eine harmonische Patchworkfamilie, das scheint aber Wunschdenken zu sein. Mein Freund will mich, alleine wenn möglich. Mache ich mit ihm Schluss, dann ist es gegen mein Herz. Lebe ich zwei Leben (hier ich alleinerziehend und dort ich und er als Paar) wie geht es mir dann?


Grünes



Liebe Frau Laura,

derzeit addieren sich in Ihrem Leben zwei Faktoren, die einzeln schon schwierig genug wären: (1) Ihr neuer Freund, der noch wenig Erfahrungen in längerfristigen Nahbeziehungen hat und sich auch nicht binden will oder kann und (2) das Kernthema von Patchworkfamilien.


Sie schreiben selbstbewusst und klar. Ihre Analyse des neuen Freundes und seiner Einstellungen zu Ihnen und Ihren Kindern ist sicher zutreffend. Meine Empfehlung ist: Akzeptieren Sie ihn jetzt so wie er ist. Genießen Sie die Beziehung, leben Sie voll im Heute. Legen Sie den Wunsch, ein harmonisches Familienleben mit Ihrem neuen Freund zu realisieren, gedanklich in weitere Zukunft.

Entwicklungsmöglichkeiten gibt es immer. Doch wird ihn, der die Vorteile einer Bindung noch nicht schätzen gelernt hat, die Aussicht, vier Personen an sich zu binden, in die Flucht schlagen. Also freuen Sie sich auf den Abend und auf den Morgen und akzeptieren Sie sowohl Ihre Kinder als auch ihn als Geschenk.


Aus dem zweiten Punkt, den der Patchworkfamilien, ergibt sich dieselbe Empfehlung: Erst in dem Moment, wenn man sich von dieser Illusion einer 'einzigen harmonischen und trauten' Familie verabschiedet (!) hat, gibt es gute Chancen auf ein gemeinsames Leben.

Für ein funktionierendes Zusammenleben in einer Patchworkfamilie gilt eines: die unterschiedlichen Rollen im Auge zu behalten. Ihr Freund beispielsweise wird nie der Papa sein - das sollten Sie ihm nicht antun und er sich selber auch nicht. Er fürchtet sich vor dieser Vorgabe und wehrt sich daher vehement dagegen, indem er nur Sie haben will. Befreien Sie bitte sich und Ihren Freund von diesem Druck. Falls er mit der Zeit ein guter älterer Freund der Kinder sein wird, wunderbar, dann ist es ein Geschenk.


Lassen Sie es gut sein, wie es derzeit ist. Wobei ich natürlich weiß, wie schwer es ist, gelassen zu bleiben und eine Situation von Grund auf zu akzeptieren. Vor allem, wenn innere Wunschbilder anderes vorschreiben wollen. Bei Ihnen liegt die wichtigste Aufgabe, um ein volles und zufriedenstellendes Leben für fünf Personen zu ermöglichen. Versuchen Sie, Ihren Traum und innere Vorgaben aufzulösen, diese zumindest weniger intensiv und treibend werden zu lassen. Kommt Zeit → kommt Entwicklung → kommt Rat.


Reinhard Neumeier, Juli 2011

 
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