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Problem am Arbeitsplatz: Ärger staut sich auf, da Vorgesetzte und Kollegen Ihre Aufgaben nicht ernst nehmen (bzw. Vorschriften mißachten), ich verliere die Fassung und in Folge wiederholt die Anstellung. Bin derzeit arbeitslos
Problem privat: informelle Trennung von Therapeuten, Streit und Trennung von Freund. Angst vor 'wiederholt mißlungenen' Ratschlägen nahestehender Menschen

Liebe Anfragende,
die Sprache verrät manchmal einiges: Der Rat eines unaufgeforderten Rat-schlages wird häufig zum Schlag. Und tut weh. Einen Rat gönnerhaft von oben herab geben oder als gutmeinende Kollegin von außen kann inhaltlich richtig sein und dennoch nicht ankommen. Unaufgeforderte Ratschläge werden als ungebetene Einmischung ins eigene Leben angesehen und im gleichen Atemzug abgelehnt.
Ein besserer Weg: Sich in die hilfesuchende Person einzufühlen versuchen. Gleichsam für einige Zeit in ihre Haut zu kriechen. Sie aus ihrem Innersten heraus zu erfühlen. Auch dann erst auf Einladung und Aufforderung der Ratsuchenden etwa sagen. So kann Rat gut ankommen, indem er sowohl ihre Gefühle achtet als auch die Situation in Betracht zieht. Auf diese Weise kann aus gut gemeinter Hilfe auch tatsächlich passende und angenommene Hilfe werden.
Ihrer Anfrage entnehme ich, dass Sie sich regelmäßig in ähnliche Situationen wiederfinden: Ärger mit Kollegen, die Aufgaben nicht in Ihrem Sinn erledigen; Ärger mit Vorgesetzten, die irgendwann zum Verlust des Arbeitsplatzes führen; Unzufriedenheit mit Ihrem Psychotherapeuten, sodass Sie stillschweigend den Kontakt beenden; Streit mit dem Freund, worauf Sie auch diese Beziehung beenden; ...
Hinter diesen sich immer wiederholenden Situationen könnte ein Muster liegen. Ein Muster, das Sie und nur Sie selbst (!) steuern. Zum Beispiel: Sie haben sehr hohe Anforderungen an andere (Kollegen, Vorgesetzte, Therapeuten, Freund), die vielleicht ins Übermenschliche reichen. Anforderungen, die diese Personen gar nicht erfüllen können. Die aber Grund genug für Sie sind, enttäuscht zu sein. Oder insgeheim sich bestätigt zu fühlen in einer grundsätzlich schlechten Meinung von Menschen. Und dieses Gefühle ausleben, die Fassung verlieren und den nächste Krach beginnen.
Dieser Krach wiederum kommt für Ihre Kollegen und Freunde aus heiterem Himmel. Ein Blitzen und Donnern, dessen Ursachen und Zwecke sie nicht verstehen, nicht verstehen können. Peng – und wieder haben Sie ein Menschen, der soeben noch ein Freund, Kollege oder guter Bekannter gewesen war, aus Ihrer Umgebung rausgeschossen.
Erlauben Sie mir noch folgenden Gedanken: Obwohl Sie schlechte Erfahrungen mit Ratschlägen gemacht und obwohl Sie einen Therapeuten haben, der Sie sehr gut kennt, fragen Sie in diesem Forum um Rat. Was natürlich Ihr gutes Recht ist. Um dann möglicherweise ins altbekannte Muster zu verfallen: sich zu ärgern, die Psychologen und Therapeuten als unfähig anzusehen oder unsere Antwortversuche als unzutreffend hinzustellen. Sie erhalten auf diese Weise zwar Ihre schlechte Meinung von all den Leuten rund herum bestätigt, letztendlich aber müssen Sie die reale Situation ausbaden. Sie selbst und niemand sonst.
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Natürlich könnte es auch ganz anders sein. Ihre Verhaltensweisen könnten die äußeren Signale einer nicht mehr vorhandenen Frustrationstoleranz sein. Sie könnten Zeichen einer frühen Phase eines Burnouts sein. Frustration, Zynismus und Hass auf den Job sind schon da, ebenso Reizbarkeit und Schuldzuweisungen (natürlich immer an die anderen). Noch haben Sie hie und da Energieschübe, um sich mit den Kollegen oder Vorgesetzten anzulegen. Auf Dauer aber fehlt psychischer Wille, Disziplin und Kraft, um Beziehungen - seien sie am Arbeitsplatz oder im privaten Bereich - aufrecht zu erhalten.
Vieles ist Spekulation, liebe Anfragende, was ich soeben geschrieben habe. Aus den wenigen Sätzen, die Sie uns mitgeteilt haben, kann selbstverständlich nicht Ihre Persönlichkeit rekonstruiert werden. Wenn es aber so sein sollte, dann haben Sie es selbst in der Hand, dieses schädliche Muster zu ändern. Das ist die positive Nachricht! Haben Sie den Mut, einen neuen Weg einzuschlagen - sei es ihre Denkmuster zu erkennen und verändern versuchen, sei es ein Burnout wahrzunehmen und den Lebensstil entsprechend und langfristig zu ändern.
Reinhard Neumeier, August 2011
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