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Seit einem Jahr habe ich eine sehr nette Partnerin. Sie scheint sich mit meinem Sohn nicht so zurecht zu finden. Drucken E-Mail

 

ich bin seit einiger Zeit von meiner langjährigen Gattin geschieden. Mich hat die Scheidung emotional sehr mitgenommen. Mein Sohn ist jede zweite Woche bei mir. Seit etwa einem Jahr habe ich eine wunderbare Partnerin. Die erste Zeit war  harmonisch, wir arbeiten Schritt für Schritt daran, auch auf längere Zeit eine Partnerschaft aufrecht zu erhalten. Ich komme mit ihren Kindern sehr gut aus, doch sie scheint sich mit meinem Sohn nicht so zurecht zu finden.

Ich habe Angst, dass auch diese Beziehung scheitert. Ich möchte über meine Angst auch nicht mit meiner Partnerin sprechen, da ich mir möglicherweise damit Blöße gebe. Wie kann ich mein Selbstwertgefühl stärken und mich wieder wohler fühlen?

 

Kamptal: Bäume und Licht

 

Antwort

Hallo werter Anfragender,

haben Sie Mut, Sie liegen in den meisten Themen richtig. Dass das Selbstwertgefühl nach einer Scheidung niedriger liegt, ist etwas menschlich ganz Verständliches. Sie schreiben es selbst - es ist unbegründet. Machen Sie sich hierüber keine Sorgen! Ihr Selbstwertgefühl wird sich Schritt für Schritt wieder einstellen.

Gratuliere, dass Sie rasch wieder eine einfühlsame Partnerin gefunden haben! Und auch, dass diese Partnerin gerade Sie gefunden hat! Beziehungsfähige und verantwortungsvolle Männer in Ihrem Alter sind selten und daher sehr gesucht. Kein Wunder, dass Sie blitzschnell am Partnermarkt entdeckt wurden. Mir ist es vor 15 Jahren ähnlich ergangen. Ich war nach kurzer Zeit wieder in eine neue umfassendere Familie eingebunden. Eine Familie, die aufgrund der Umstände eben einen Patchwork darstellte. Meine beiden Teenager-Töchter aus erster Ehe waren mit im Boot gewesen. Es war eine wunderbare Zeit, aber einige Schwierigkeiten hatten sich im Laufe der Folgejahre auch hier eingestellt. So ist das eben. Unterschiedliche Menschen mit unterschiedlichem Hintergrund und unterschiedlichen Zielen werden nicht Jahr für Jahr gleichsam ein Herz und eine Seele sein können.

Womit wir bei Ihrem nächsten Hauptthema sind: der Patchworkfamilie. Im Rahmen einer Patchworkfamilie aber alle gleich hoch zufrieden stellen zu wollen, ist ein überirdischer Anspruch. Ein Anspruch, den Sie vermutlich an jeden stellen: an sich, an Ihre Partnerin, an deren Söhne und an Ihren eigenen Sohn! Sorry, aber alle glücklich und hoch zufrieden zu machen, geht einfach nicht! Das zeigt sich als immer wiederkehrende Erfahrung aller in einem Familienverband lebenden Personen. Der Begriff Patchworkfamilie ist populär und eingeführt. Soziologen aber sprechen von Nachfolgefamilie. Dieses Wort Nachfolgefamilie zeigt auf die zeitliche Reihenfolge. Das erste Mal wird in unserem Kulturkreis eben idealisiert - oft ohne Grund. Viele sehen diese vorherige Familie in einem viel schöneren Licht als sie es wohl tatsächlich war. Sie verklären. Aus gut nachvollziehbaren Gründen neigen Kinder dazu.

Hinzu dürfte bei Ihnen der Wille kommen, nichts falsch, sondern alles richtig zu machen. Vielleicht ist dieser Wille verbunden mit Angst, diese angestrebten 100 Prozent nicht zu erreichen. Setzen Sie sich geringere Ziele! Sonst schadet dies wahrscheinlich dem bisher Erreichten. Und sprechen Sie darüber mit Ihrer Partnerin. Dies ist vielleicht der wichtigste Rat. Haben Sie keine Angst, üblicherweise sprechen Frauen gerne über ihre Beziehung.

Vergleichsweise einfach ist es, Ihr Selbstwertgefühl wieder an jenes Niveau heranzuführen, das aufgrund Ihrer bisherigen Lebensleistung zu Ihnen passt. Ich verwende hier gerne biographische Methoden, die Sie in einigen Details auf meiner Homepage nachlesen können. Wieder haben Sie Recht: Ihre gestärkte Identität wird Ihnen helfen, die neue Beziehung deutlich besser handhaben, verankern und vertiefen zu können!

Alles Gute - mit etwas Bemühen und einer Portion Gelassenheit werden Sie es schaffen!


Reinhard Neumeier, Oktober 2011

 
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