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Ich bin seit 20 Jahren verheiratet, habe zwei Kinder, eine Frau, die mich liebt und eine Geliebte. Diese Liebe begann als sexuelles Abenteuer und ist nun soweit gediehen, dass ich vor der Entscheidung stehe, meine Familie zu verlassen um meiner Geliebten willen oder bei meiner Famile zu bleiben, wozu ich mich verpflichtet fühle. Zur Zeit lebe ich von meiner Geliebten getrennt und wir leiden beide sehr darunter.

Werter Anfragender, ich kann als Geschlechtsgenosse Ihre Seelenlage verstehen. Sie selbst und die Situation spiegeln klar die Situation wider, in der wir Menschen uns evolutionär hineingebracht ("entwickelt") haben. Biologisch gesehen und auch gemäß der evolutionären Psychologie ist es zu bewundern, dass sowohl Sie als auch Ihre Frau es zwei Jahrzehnte geschafft haben, zusammen zu bleiben und die beiden Kinder großzuziehen!
Von den Genen her sind wir Menschen (Männer mehr, Frauen etwas weniger) klar polygam veranlagt. Aber traditionell und kulturell gesehen zeigt sich die Geschichte anders herum: der rechtliche und gesellschaftliche Druck will lange währende Monogamie erzeugen, wenn nicht sogar erzwingen - wie mittels Gewissen und heiliger Zeremonien die hiesigen etablierten Religionen es versuchen. Mit manchmal unglücklichen Lebensfolgen für viele oder alle der Beteiligten.
Die letzten drei Beiträge meines Blogs Anfragen und Antworten nahmen zur gleichen Problematik Stellung. Vielleicht finden Sie auch hier einige Anregungen.
Aus diesem Dilemma ist kurzfristig kaum rauszukommen. Denn jeder Weg hat Vor- und Nachteile. Sie, Ihre Frau und auch Ihre Geliebte haben dies sicher schon oft durchgedacht . Ihr erkennbarer, von Jahr zu Jahr sich steigernder Vorteil ist das Alter der beide Söhne (14 und 15). Spätestens nach der Pubertät werden diese Söhne - zumindest gedanklich und emotional von der Familie abgekoppelt - eigene Wege gehen wollen und zu gehen versuchen. Was aber auch heißt, dass deren Lebenschancen und Ausbildungen in jedem Fall gewahrt bleiben müssen.
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Die Situation, in der sich fünf Personen nun befinden, scheint mir - langfristig - vergleichsweise gut auflösbar zu sein. Sowohl Ihre Frau als auch Ihre Geliebte zeigen ein Einfühlungsvermögen für den jeweils anderen. Nach einigen - emotional sehr schmerzhaften - Tälern könnte Sie in einiger Zeit zu Lösungen kommen, die besser sind, als wenn jetzt jede(r) mit Muss auf den großen Crash zusteuert. Ein Crash, der alle runterziehen wird.
Sie haben das Finanzielle nicht erwähnt. Und Geld ist leider in unserer Gesellschaft die Hauptgrundlage für unser Zusammenleben geworden. Sicherheit und Geld dürfte das wichtigste Untergrundthema Ihrer jetzigen Lage sein. Sie werden es sicher schon oft genug angesprochen haben.
Meine konkrete Empfehlung: Gehen Sie zu einem Psychologen, der vorgeht, wie ich für solche Dreier-Situationen anraten würde: (1) Zuerst ein oder maximal zwei Einzelgespräche mit jede(/m) Betroffenen, dann (2) Vorschläge zu Lösungen von jedem getrennt ausarbeiten lassen. In der Folgerunde (3) werden diese Vorschläge einfühlsam vom Psychologen nach einem modifizierten Delphi-Verfahren in Zirkulation zur konstruktiven Adaption gebracht. Spätestens hier ist natürlich das Geschick des moderierenden Psychologen das Um und Auf.
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Es könnte sein, dass diese drei Runden bereits reichen, um Standpunkte zu klären und eine - für alle Seiten - gangbare Lösung zu finden. Sie würden vielleicht überrascht sein, welch kreative Lösungen außerhalb der üblichen Standards möglich sind, die für alle Beteiligten annehmbar sind und den Weg weisen, dass jede(r) Gelegenheit hat, langfristig einen zufriedenstellenden Lebensweg einzuschlagen.
Der Psychologe sollte in jedem Fall die Rolle eines neutralen Moderators oder Mediators sein. Ich wünsche Ihnen Mut - Chancen scheint es in Ihrem Fall viele zu geben!
Reinhard Neumeier, November 2011
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