Wie Forschung funktioniert: das Drei-Phasen-Modell
Prozesse der Forschung können in drei Phasen eingeteilt werden:
- Kontext des Entdeckens:
wie entstehen Forschungsfragen und erste Hypothesen? - Kontext des Begründens:
Wie werden Behauptungen belegt? - Kontext des Verwertens:
Wie fließt das neue Wissen in die Praxis ein?
Dieses Denkmodell lässt sich nicht nur auf die Wissenschaft anwenden, sondern auch auf viele Bereiche des Lebens: auf Lernen, auf Innovation, auf strategisches Handeln. Und spätestens seit 2022 mischt ein neuer Akteur in all diesen Bereichen mit: Künstliche Intelligenz.
Erste Phase: der Kontext der Entdeckung
Entdecken heißt, Fragen stellen, wo noch keine sind
Die erste Phase der Forschung ist die offenste und gleichzeitig die unsicherste. Wer entdeckt, weiß oft noch nicht, wonach er sucht. Es geht darum, das eigentlich Ungeklärte zu erkennen. Hypothesen entstehen nicht durch Regeln, sondern durch Intuition, durch Analogien, durch überraschende Beobachtungen im Alltag.
In dieser Phase dominiert der Mensch. Kreativität, Neugier, Querdenken: das sind Fähigkeiten, die sich (vermutlich noch lange) nicht programmieren lassen.
Warum der Mensch im Entdecken der KI (noch) überlegen ist
KI kann bei der Recherche helfen, Texte schreiben, Daten durchkämmen. Doch sie blickt in die Vergangenheit. Sie kennt Muster, die schon da sind. Was ihr fehlt, ist das Gespür für das Neue, das Unbekannte, die Lücke im Jetzt. Deshalb ist der Mensch der KI beim Entdecken überlegen. In der ersten Phase des Forschungsprozesses jedoch zählt der biologische Mensch in der analogen Welt.
Doch ausgerechnet an den Hochschulen hat das Entdecken kaum mehr Platz. Dies gilt vor allem für verschulte Basisstudien. Themen sind vorgegeben, Lösungen werden erwartet. Studierende bearbeiten Aufgaben, die längst definiert sind – statt Fragen zu stellen, die noch wenige, vielleicht sogar keiner gestellt hat.
Dabei liegt gerade in dieser Anfangsphase – mit Ausnahme vielleicht der Grundlagenforschung – die eigentliche Relevanz: Wer das Problem präzise erkennt, denkt schon die Anwendung mit. Doch das erleben viele Studierende erst spät, aus Sicht des Motiviertseins und Lernens zu spät.
10. Juli 2025
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