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KI und lernpsychologische Ziele: Blooms Taxonomie

Stufenpyramiden zu propagieren – das war groß in Mode in der Psychologie des 20. Jahrhunderts, vor allem der zweiten Hälfte. Um den Menschen besser zu verstehen, wurde ein abgestuftes System nach dem anderen über ihn gestülpt. Die Maslowsche Bedürfnishierarchie ist eines der bekanntesten Pyramiden. Die innere Logik ist bestechend, dummerweise halten sich die Menschen nicht immer daran. Manche Stufen werden übersprungen, andere erst viel später erreicht.

 

Wenn die Wirklichkeit nicht in die Pyramide passt, aber das Modell trotzdem nützt

Gerade weil Menschen nicht so schön stufenförmig lernen, können diese Modelle nützlich sein: Solche Modelle schaffen Ordnung. Und genau darin liegt ihr Nutzen: Sie bilden die Wirklichkeit nicht vollständig ab, geben ihr aber ein brauchbares Raster. Ein einflussreiches Beispiel dafür ist die Taxonomie von Benjamin Bloom. Daraus lassen sich Hinweise generieren, welche der zahlreichen KI-Modelle oder ausführlichen Prompts für die jeweilige Stufe geeignet sind.

Benjamin Bloom, Sohn einer jüdisch-russischen Immigrationsfamilie Benjamin Bloom wollte Lernziele systematisieren. 1956 veröffentlichte er seine „Taxonomy of Educational Objectives“. Die Taxonomie prägte die Lernpsychologie über Jahrzehnte. Er postulierte drei Domänen: kognitive, affektive und psychomotorische Ziele. 

Für die kognitiven Ziele stellte er sechs hierarchische Kategorien vor. Später wurde sie als Stufenpyramide visualisiert. Als grundlegendes Lernziel verstand er erinnertes Wissen von Fakten oder Konzepten. Das ("remember") stellt die Basis dar:
 
 

Blooms Taxonomie revisited. Die rechte Seite der Abbildung zeigt, welche Handlungen (Verben) für die jeweilige Stufe zentral sind. (Vanderbilt University Center for Teaching;  https://www.flickr.com/photos/vandycft/29428436431)

 

Als oberstes Lernziel sah Bloom Mitte des 20. Jahrhunderts die Evaluation des Wissens. In der revidierten Bloom-Taxonomie von Anderson und Krathwohl aus 2001 jedoch steht „create“ an oberster Stelle; „evaluate“ wurde abgestuft. Siehe auch das PS zu diesem Beitrag. 

Ausführlicher samt Hinweisen zur Anwendung werden in dieser revidierten Form die sechs Stufen präsentiert:

Oregon State University, Ecampus: Bloom's Taxonomy revisited
https://ecampus.oregonstate.edu/faculty/artificial-intelligence-tools/blooms-taxonomy-revisited-v2-2024.pdf 


Der rechte Teil der obigen Abbildung zeigt auf, welche Handlungen in Form aktionsorientierter Verben zentral sind für die jeweilige Stufe. Daraus lässt sich ableiten, welche KI-Modelle für welche Lernstufe als ergänzende Lern-Werkzeuge geeignet sind.

Eine aktuelle kritische Übersichtsarbeit1 empfiehlt, digitale Kompetenz in kollektiven Lernstrategien zu integrieren, um Kreativität und eine ganzheitliche Entwicklung der Studierenden zu fördern. Konkret:

"the findings suggest that Bloom’s Taxonomy should be employed flexibly as a reflective guide rather than a prescriptive hierarchy. In practical terms, this requires educators to design learning experiences that integrate multiple cognitive levels within a single activity" (Petrenko et al., 2026, S. 14).

Es geht daher um integrierte Lernerfahrungen, nicht um ein rigides Abarbeiten der Stufen.

2. Oktober 2026 

 

PS: Die Veränderung von Evaluierung zu Kreativität als Top-Platzierung spiegelt veränderte gesamtgesellschaftliche Einstellungen zur kognitiven Hierarchie wider. Kreativität gilt in etwa ab der Jahrtausendwende als wichtigstes kognitives Lernziel. Großartig:
Der Mensch hält noch unangefochten die führende Position. Eine gute Nachricht, angesichts der Schwäche von KI-Modellen in der kreativen Stufe!

 

1 Mykola Petrenko, Serhii Melnyk, Iryna Kovalenko et al..  A CRITICAL REVIEW OF BLOOM’S TAXONOMY IN CONTEMPORARY EDUCATIONAL PRACTICES, International Journal of Education and Social Science Studies, Vol. 2, No. 1 (2026): 9-17, E-ISSN 3090-675X