Sozial- und Geisteswissenschaften: mit Vollgas an die Wand (1)
Ich war beim Aufräumen. Alte Artikel, eigentlich Tand. Einige Inhalte oft gelesen, gehört und einiges selbst erzählt. Es ist kein Platz mehr in den Regalen, also weg damit.
Gerade wollte ich einen leicht vergilbten Scan aus Veröffentlichungen der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, den ich vor einigen Jahren aufgenommen und fein säuberlich in einen Plastikumschlag eingelegt hatte, wegwerfen, als ich stutzte.
Ein alter Scan bringt mich ins Grübeln
Der Scan enthält auf einer Seite sechs Grundsätze der Wissenschaft. Ohne wissenschaftstheoretische Verrenkungen. Die sechs Grundsätze waren so formuliert, dass jeder sie sofort verstand. Erfreulich!
Beim Nochmallesen fiel mir etwas auf, was mich nicht mehr losließ: Drei dieser sechs Grundsätze sind heute in manchen Fächern nicht mehr selbstverständlich. Insbesondere Zweige der Sozial- und Geisteswissenschaften haben das Prinzip fallengelassen, wonach das Ergebnis nicht vor der Untersuchung feststehen darf. Dies gilt teilweise für die Psychologie, aber auch in ersten Ansätzen für Medizin und Biologie.

Aus einem alten Scan zu Prinzipien von Wissenschaft
(Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg; Ende 2010er Jahre;
siehe im Vergleich dazu das PS zu diesem Beitrag)
An einigen Unis nun angebotene Fächer wie Gender Studies oder Postcolonial Studies organisieren sich entlang von Denkvorgaben. Wie schon die Namen dieser Fächer die jeweilige Zielrichtung verraten. Von oben herab werden moralisch hehre Ziele verkündet. Gut, aber humanistisch klingende Worte vernebeln die geschönten Inhalte. Diese Disziplinen missbrauchen die wissenschaftliche Methode und werden letztendlich zu Religionsgemeinschaften.
Die entstandenen Studienergebnisse stehen unter dem Verdacht, mittels ideologisch selektierter Methoden die vorgegebenen Inhalte zu bestätigen. Die Leitlinien dieser Bewegungen zielen deshalb auf das Gegenteil dessen, was in den Wissenschaften der letzten 350 Jahre (zumeist) gegolten hat.
Wenn das Sollen das Sein verdrängt
Um von einem aus erster Hand erfahrenen Beispiel zu berichten: Ein Dissertant will das brennende Problem mangelnder Deutschkenntnisse von migrantischen Studierenden an einer Fachhochschule untersuchen. Er wird deswegen als Rassist bezeichnet. Weder das Thema noch der Dissertant werden angenommen.
In solchen Fällen wird Wissenschaft zum politischen Werkzeug. Hier gilt: Wenn eine gewünschte gesellschaftliche Norm feststeht, darf die empirische Realität dieser Norm nicht widersprechen. Scheuklappen werden aufgesetzt und das Sein wird aus der Welt geschafft. Das Sollen verdrängt das Sein.
Forschungspraktiken wie diese beschädigen die wissenschaftliche Qualität einer Disziplin. Wie lässt sich dieser Qualitätsverlust feststellen? Mehr darüber in der nächsten Folge.
27. September 2026
PS: Die Friedrich-Alexander-Universität führt ab Wintersemester 2026/2027 einen neuen Lehrgang ein: 'Gender Studies und technische Diskurse'. Ob man sich an die einstmals postulierten Grundsätze erinnern wird?
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